Amnesty International Gruppe Pfaffenhofen / Ilm

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Gruppe Pfaffenhofen / Ilm

StartseiteUnsere derzeitigen Betreuungsfälle

Honduras, Jessica García und Wilfredo Guerrero (von uns ab 2009 betreuter Fall)

Die Fallbeschreibung

In der Gemeinde San Juan Tela im Norden von Honduras soll ein Resort für Touristen entstehen. An sich kein bemerkenswerter Vorgang und erst recht kein Fall für Amnesty International, wären da nicht die besonderen Umstände:

Angehörige der Gemeinschaft der Garífuna in dem Dorf San Juan Tela im Norden von Honduras werden systematisch drangsaliert. Damit scheint eine Immobilienfirma erreichen zu wollen, dass die Garífunas ihr das Land überlassen. Die ethnische Gruppe afrikanischer Herkunft lebt seit Generationen auf dem Stück Land, auf dem die Firma eine Ferienanlage errichten möchte.

Foto: Guerrero und Garcia Die beiden Sprecher dieser Gruppe sind Jessica García und Wilfredo Guerrero.

Am 5. Juni 2008 wurde Santos Feliciana Aguilar Álvares von etwa zehn Männern entführt, die offenbar Sicherheitspersonal der Firma waren, die das Land erwerben möchte. Sie schlugen ihn und drohten ihm mit dem Tod. Er hörte die Männer sagen: "Bringen wir ihn um und begraben ihn gleich hier."

Die Garífuna-Sprecherin Jessica García ist bereits mehrfach drangsaliert worden. Am 22. Juni 2006 hat ein unbekannter Mann sie mit Waffengewalt gezwungen, ein Dokument zu unterschreiben, in dem steht, dass das Gemeindeland der Immobilienfirma gehört.

Ein weiterer Gemeindesprecher, Wilfredo Guerrero, wurde ebenfalls eingeschüchtert und drangsaliert. 2005 wurde sein Haus bei einem Brandanschlag zerstört, und 2007 wurde er festgenommen. Die Staatsanwaltschaft wies die Polizei jedoch an, ihn freizulassen. Bisher ist niemand wegen dieser Vorfälle vor Gericht gestellt worden.

Das Ziel dieses Betreuungsfalles ist, dass diese betroffenen Menschen von staatlicher Seite gegenüber Drohungen und eventuellen Angriffen auf ihre Gesundheit und ihr Leben in Schutz genommen werden.



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Saudi Arabien, Siti Zainab (von uns seit 2003 weiterhin betreuter Fall)

Die Fallbeschreibung

Siti Zainab, vollständiger Name Siti Zainab Binti Dubri Rupa, ist eine mittlerweile 37-jährige indonesische ehemalige Hausangestellte, die in Saudi-Arabien 2003 wegen Mordes zum Tode verurteilt wurde und seit 1999 in Medina inhaftiert ist. Ihr Fall ist für das Land typisch, in dem sich die reiche saudische Mittel- und Oberschicht zahlloser Gastarbeiter aus dem arabisch-asiatischen Raum bedient, die aber völlig rechtlos sind und oft menschenunwürdig behandelt werden. In Streitfällen ist der Angestellte von Anfang an in der Situation des Schuldigen. Bekannt sind zahllose Fälle, in denen Hausangestellte misshandelt oder vergewaltigt wurden. Diese Taten werden aber in den seltensten Fällen geahndet. Setzt sich das Opfer zur Wehr und wird der Täter dabei verletzt oder gar getötet, hat das Opfer, also die Hausangestellte, mit schwersten Strafen nach dem islamischen Rechtssystem, der Sharia, zu rechnen. Da Saudi-Arabien gleichzeitig eines der Länder ist, das die Todesstrafe für zahlreiche Verbrechen vorsieht, ist die Zahl der Fremdarbeiter, die hingerichtet werden, sehr hoch.

Foto: Siti Zainab

Siti Zainab hat in der Tat ihre Arbeitgeberin durch mehrere Messerstiche ermordet. Die Gründe dafür sind unbekannt. Sie hat ihr Verbrechen aber angeblich während der polizeilichen Verhöre "gestanden". Da Siti Zainab psychisch krank ist, steht ihre Schuldfähigkeit in Frage, spielte aber im Prozess wohl keine Rolle, obwohl Saudi-Arabien einen internationalen Vertrag unterschrieben hat, der die Anwendung der Todesstrafe in solchen Fällen untersagt.

Über den Verlauf des Prozesses ist wenig bekannt, weil er unter Ausschluss der (Welt-)Öffentlichkeit verlief. Derzeit wissen wir lediglich, dass Siti Zainab zum Tode verurteilt, aber wohl noch nicht hingerichtet wurde. Der Grund dafür liegt in einer Besonderheit der Sharia, dass Mütter von minderjährigen Kindern nicht exekutiert werden dürfen. Es ist aber unklar, wann die beiden Kinder von Siti Zainab nach islamischer Auffassung volljährig werden, und auch, ob sie überhaupt bei ihrer Mutter oder in fremder Pflege sind.

Die Aufgabe unserer Gruppe konzentriert sich seit 2003 darauf, Informationen über Siti Zainab zu erhalten, die Umwandlung der Todesstrafe in eine menschlichere Haftstrafe zu erreichen, Details über ihren Prozess und ihren Gesundheitszustand zu erhalten, und darauf hinzuwirken, dass die Familie des Opfers auf die Anwendung der Todesstrafe verzichtet, was ebenfalls nach islamischem Recht möglich wäre. In einem solchen Fall könnte die Tat zum Beispiel durch die Zahlung eines "Blutgeldes" geahndet werden. Allgemein wirken wir auf die saudische Regierung hin, die Todesstrafe generell abzuschaffen.

In allen Aspekten ist dieser Fall sehr schwierig, da Saudi-Arabien weder auf unsere Briefe in irgendeiner Form antwortet, noch auf Druck auf politischer Ebene reagiert, sein Rechtssystem zu humanisieren.

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Unsere Gruppe