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Unser Monatsbrief für September 2017

Fallbeschreibung

Kalpana Chakma, Bangladesch

Kalpana Chakma © Amnesty International, Foto: Privat

Kalpana Chakma war Koordinatorin der Organisation Hill Women's Federation, die sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung in der Region Chittagong Hill Tracts einsetzt. Sie wurde in den frühen Morgenstunden des 12. Juni 1996 aus dem Haus ihrer Familie im Dorf Lallyagona im Bezirk Rangamati entführt. Die damals 23-Jährige ist seitdem nie mehr gesehen worden.

Möglicherweise stand die Entführung in Zusammenhang mit den Parlamentswahlen, die am selben Tag stattfanden, denn Kalpana Chakma hatte einen Kandidaten unterstützt, der die Interessen indigener Gruppen vertrat.

Bei den Entführern soll es sich um Sicherheitskräfte aus dem nahegelegenen Armeestützpunkt Ugalchhari gehandelt haben. Kalpana Chakma wurde gemeinsam mit zwei ihrer Brüder aus dem Haus verschleppt, man verband ihnen die Augen und fesselte sie. Die Brüder konnten entkommen, obwohl die Sicherheitskräfte auf sie schossen.

Nach Einschätzung zivilgesellschaftlicher Gruppen in Bangladesch verschleppen die Behörden die Untersuchung des Falls, um zu verhindern, dass Militärangehörigen Verstöße gegen das Völkerrecht und Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. Die Brüder von Kalpana Chakma haben in ihrer Anzeige bei der Polizei drei Personen als Verantwortliche benannt: einen Armeeangehörigen und zwei Mitglieder einer paramilitärischen Gruppe. Die Polizei weigerte sich damals jedoch, die Anzeige aufzunehmen.

Trotzdem macht die Polizei von Bangladesch einen Mangel an Beweisen geltend und hat bei einem Gericht in Rangamati beantragt, die Ermittlungen am 27. September 2017 einzustellen. Damit würde der Familie von Kalpana Chakma ihr Recht auf Aufklärung des Schicksals der jungen Frau verweigert und die Verantwortlichen für ihr Verschwindenlassen würden straffrei ausgehen.

Im Brief an die Premierministerin von Bangladesch und bitten wir sie, eine umfassende und unabhängige Untersuchung des Falls von Kalpana Chakma zu veranlassen. Die Ermittlungen müssen die Befragung der drei Hauptverdächtigen umfassen und sicherstellen, dass die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden. Alle Fälle von Drohungen, Gewalt, Einschüchterungen, willkürlichen Festnahmen und Verschwindenlassen von Menschenrechtsverteidiger_innen müssen in vollem Umfang untersucht werden, auch solche, die von nicht staatlichen Gruppen ausgehen.


Hier ist das Anschreiben an die Vertretung des Landes


Botschaft der Volksrepublik Bangladesch
S. E. Herrn Imtiaz Ahmed
Kaiserin-Augusta-Allee 111
10553 Berlin



Exzellenz,

hiermit übergebe ich Ihnen einen Brief an die Premierministerin Ihres Landes. Sie wird darin gebeten, eine umfassende und unabhängige Untersuchung der Entführung von Kalpana Chakma in die Wege zu leiten, die im Juni 1996 aus ihrem Haus heraus stattfand. Es handelt sich dabei um die ehemalige Koordinatorin der Organisation Hill Women`s Federation, die sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung in der Region Chittagong Hill Tracts einsetzt. Die Schuldigen dürfen nicht straffrei davonkommen. Dies gilt für alle Menschenrechtsverletzungen, für Gewalt jeglicher Art, für Drohungen, Einschüchterungen, willkürliche Festnahmen und das Verschwindenlassen von Menschenrechtsverteidigern. Ich bitte auch Sie, in diesem Sinne für die Menschenrechte tätig zu werden.

Vielen Dank für Ihre Bemühungen.

Mit freundlichen Grüßen




Anlage


Hier ist der Brief an das betroffene Land



Honourable Prime Minister Sheikh Hasina
Old Sangsad Bhaban
Bir Uttam Ziaur Rahman Rd
Dhaka 1215
BANGLADESCH



Your Excellency,

I am writing to you on behalf of Kalpana Chakma, an indigenous women’s rights activist who held the position of General Secretary of the Hill Women`s Federation. Her case should not be forgotten, although her abduction took place more than 20 years ago.

In June 1996 she and two of her brothers were abducted from their family’s home in Lallyagona in the district of Rangamati by security personnel. Her brothers managed to escape despite being shot at various times. They were able to identify a group of three security personnel believed to be from the nearby Ugalchhari army camp. So they wanted to give information to the authorities in order to file an action, but this evidence was ignored. It seems that the authorities were not willing to clear up the case and bring those responsible to justice. I think that Kalpana Chakma`s family has a right to know what happened to her, and the perpetrators must not go unprosecuted. That is why the investigation into the case should not be closed by 27 September 2017.

I should like to beg you to take steps to ensure a comprehensive and impartial investigation into the case of Kalpana Chakma. It has to include the inquiry of the main suspects, and those responsible have to be taken to court. But not only Kalpana Chakma`s case has to be investigated. All other cases of human rights violations, such as threats, violence, intimidation, arbitrary arrest and disappearances of human rights defenders have to be prosecuted.

Yours respectfully,




Copy to:
Botschaft der Volksrepublik Bangladesch
S. E. Herrn Imtiaz Ahmed
Kaiserin-Augusta-Allee 111
10553 Berlin