Amnesty International Gruppe Pfaffenhofen / Ilm

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Unser Monatsbrief für September 2016

Fallbeschreibung
Türkei - Ahmet Yildiz


Ahmet_Yildiz: © Privat

Am 15. Juli 2008 verließ Ahmet Yıldız seine Wohnung, um ein Eis zu kaufen. Kurz darauf hörte sein Lebenspartner Ibrahim Can Schüsse. Als er hinunterlief, sah er, dass auf Ahmet Yıldız geschossen worden war. Die Tötung wird weithin als "Ehrenmord" betrachtet. Wie bei anderen mutmaßlichen Ehrenmorden holte die Familie von Ahmet Yıldız den Leichnam nicht zur Bestattung ab. Nach drei Monaten wurde schließlich ein Haftbefehl gegen den einzigen Verdächtigen, den Vater des Ermordeten, ausgestellt. Bislang ist er jedoch nicht verhaftet worden.

Der Fall zeigt, dass die türkischen Behörden nicht ausreichend gegen Gewalt gegen Lesben, Schwule Bisexuelle, Transgeschlechtliche und Intersexuelle (LGBTI) vorgehen. Ibrahim Can teilte Amnesty International mit, dass Ahmet Yıldız in den Monaten vor seiner Ermordung von seiner Familie und insbesondere vom Vater bedroht worden war. Im Oktober 2007 erstattete Ahmet Yıldız Anzeige gegen seine Familie und bat die Staatsanwaltschaft im Istanbuler Stadtteil Üsküdar um Schutz. Statt etwas zu unternehmen, gab die Staatsanwaltschaft die Anzeige an einen benachbarten Bezirk weiter. Nach dem Mord stellte sich heraus, dass die Anzeige gar nicht bearbeitet worden war.

Im türkischen Recht gibt es noch immer kein explizites Verbot von Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung oder der Geschlechtsidentität, obwohl sich Menschenrechtsgruppen schon lange dafür einsetzen.

Im Brief an den türkischen Justizminister legen wir den Fall von Ahmet Yıldız dar. Wir fordern ihn auf, den einzigen Verdächtigen endlich in einem fairen Verfahren vor Gericht zu stellen. VWir vrlangen eine Untersuchung bezüglich der unterlassenen Schutzmaßnahmen für Ahmet Yıldız und dringen darauf, dass Gewaltverbrechen mit homofeindlichen oder transfeindlichen Tatmotiven wirksam bekämpft werden.


Hier ist das Anschreiben an die Vertretung des Landes


Botschaft der Republik Türkei
S. E. Herrn Hüseyin Avni Karslioglu
Tiergartenstraße 19 – 21
10785 Berlin


Exzellenz,

Sie erhalten hiermit einen Brief an den Justizminister Ihres Landes, in dem der Fall von Ahmet Yildiz dargelegt wird, der am 15. Juli 2008 auf offener Straße ermordet wurde. Der einzige Verdächtige, nämlich Ahmet's Vater, muss endlich in einem fairen Verfahren vor Gericht gestellt werden. Auch soll untersucht werden, warum es nicht zu den von Ahmet Yildiz erbetenen Schutzmaßnahmen kam. Gewaltverbrechen mit homofeindlichen bzw. transfeindlichen Tatmotiven müssen wirksam bekämpft werden, denn es handelt sich um schwere Menschenrechtsverletzungen.

Ich ersuche auch Sie, sich gegen derartige Diskriminierung und also für die Einhaltung der Menschenrechte in solchen Fällen einzusetzen.

Vielen Dank für Ihre Bemühungen.


Anlage


Hier ist der Brief an das betroffene Land


Bekir Bozdag
Ministry of Justice
Adalet Bakanligi
06659 Ankara
Türkei


Dear Minister,

I am deeply shocked about the fact that Ahmet Yildiz has fallen victim to an honor killing. On July 15 th, 2008, Ahmet Yildiz left his Istanbul apartment to buy some ice-cream. Shortly afterwards his partner heard several shots, and this meant that Ahmet Yildiz had been gunned down on the street. His family refused to remove his body from the morgue for an unusual long time, which may be regarded as a true sign that this murder was committed on homophobic grounds. Three months after the murder, an arrest warrant was issued for his father, as he was the only suspect.

After Ahmet's coming out the year before, he endured increasingly dangerous threats from his family, especially his father. That is why Ahmet Yildiz filed a complaint at the local prosecutor's office in October 2007 in order to be provided with protection, but without any positive result.

I should like to ask you to take the necessary steps that Ahmet`s father will be brought to justice. He is the only suspect and shall have a fair trial according to international standards. There should also be an investigation into the circumstances, why Ahmet did not receive the protection he needed. Moreover, I appeal to you to protect people against discrimination and hate crime because of their sexual orientation. All men have the right to be treated as equals, regardless of their gender identity or sexuality.

Yours sincerely



Copy to:
Botschaft der Republik Türkei
S. E. Herrn Hüseyin Avni Karslioglu
Tiergartenstraße 19 – 21
10785 Berlin