Amnesty International Gruppe Pfaffenhofen / Ilm

Impressum | Login

Gruppe Pfaffenhofen / Ilm

StartseiteSep2010

Unser Monatsbrief für September 2010

Fallbeschreibung

Die 19-jährige Studentin Claudina Velásquez studierte Jura, um Anwältin zu werden, als sie 2005 erschossen wurde. Amnesty International ist in großer Sorge, dass die Täter nicht zur Verantwortung gezogen werden, da von erheblichen Mängeln bei der Morduntersuchung berichtet wurde.

Die Hauptverdächtigen wurden nicht auf Schmauchspuren untersucht, um festzustellen, ob sie eine Schusswaffe abgefeuert hatten. Wahrscheinlich sind dadurch entscheidende forensische Beweise verloren gegangen. Auch mögliche Zeugen wurden bislang nicht befragt.

Eine große Zahl ähnlicher Fälle sind in Guatemala aufgrund mangelnden Beweismaterials infolge nur oberflächlicher Ermittlungen zu den Akten gelegt worden. Familien, die bei den Behörden Unterstützung suchen, sehen sich oft Gleichgültigkeit und Diskriminierung gegenüber. Währenddessen steigt die Zahl der in Guatemala getöteten Frauen: Laut Zahlen der Regierung kamen 2009 insgesamt 717 Frauen gewaltsam zu Tode - mehr als im Vorjahr.

2009 bedankte sich Jorge Velásquez, der Vater von Claudina, bei den Mitgliedern von Amnesty International für ihre Unterstützung: "Danke, vielen Dank für Ihre Großherzigkeit… und für Ihre anhaltende und uneingeschränkte Unterstützung unserer Forderung nach Gerechtigkeit für Claudina, für uns und für Guatemala… Bitte lassen Sie nicht nach und vergessen Sie uns nicht. Behalten Sie uns immer in Ihren Herzen, Köpfen und Stiften, denn ohne Sie, ohne Ihre Hilfe, könnten wir den endlos scheinenden Kampf nicht führen."

Im Brief an den Präsidenten von Guatemala wird angefragt, welche Schritte unternommen wurden, um sicherzustellen, dass die Morduntersuchung im Fall Claudina Velásquez in koordinierter, gründlicher und zielgerichteter Weise durchgeführt wird, so dass die Verantwortlichen ohne weitere Verzögerungen zur Rechenschaft gezogen werden können. Zudem wird nachgefragt, welche Maßnahmen eingeleitet wurden, um weitere Ermittlungsstränge zu verfolgen und mögliche Zeugen zu befragen.


Hier ist das Anschreiben an die Vertretung des Landes


Botschaft der Republik Guatemala
S. E. Herrn Gabriel Edgardo Aguilera Peralta
Joachim-Karnatz-Allee 45-47, 2. OG.
10557 Berlin



Exzellenz,

Sie erhalten von mir einen Brief an den Präsidenten Ihres Landes, in dem angefragt wird, welche Schritte unternommen wurden, um sicherzustellen, dass die Morduntersuchung im Fall Claudine Velásquez in koordinierter, gründlicher und zielgerichteter Weise durchgeführt wird., so dass die Verantwortlichen ohne weitere Verzögerungen zur Rechenschaft gezogen werden können. Es geht auch darum, welche Maßnahmen eingeleitet wurden, um weitere Ermittlungsstränge zu verfolgen und mögliche Zeugen zu befragen.

Laut den Zahlen der Regierung kamen in Guatemala im Jahre 2009 insgesamt 717 Frauen gewaltsam zu Tode, so dass dringend Handlungsbedarf besteht. Ich ersuche auch Sie, sich für die Aufklärung nicht nur des genannten Mordfalles einzusetzen, sondern auch generell auf die Verurteilung der Schuldigen in allen anderen Fällen hinzuwirken, da nur so dieser erschreckenden Entwicklung in Guatemala Einhalt geboten werden kann.

Vielen Dank für Ihre Bemühungen.



Anlage




Hier ist der Brief an das betroffene Land


President Alvaro Colom Caballeros
Presidente de la República de Guatemala
Casa Presidencial
6a. Avenida, 4-18 Zona 1.
Ciudad de Guatemala
GUATEMALA



Dear President,

I am deeply shocked at the death of the 19-year-old law student Claudine Velásquez, who was shot and killed in 2005. According to reports by Amnesty International it is to be feared that those responsible for her death may not be brought to justice. The people involved in the efforts to bring the perpetrators to court for trial face continuing obstacles.

After the crime had been committed, there was no immediate examination of the principal suspects to clarify whether the deadly shots had been fired from the weapons they were carrying. Thus decisive forensic evidence was irretrievably lost. Moreover, potential witnesses have not been questioned up to now.

As a matter of fact, 717 women died a violent death in 2009, more than in 2008. Families seeking the support of the authorities have been confronted with indifference and discrimination. Quite a number of similar cases have simply been filed away because of lack of evidence, as there had only been very superficial inquiries.

So I should like to know, what has been done to ensure a well-coordinated and thorough investigation into the murder of Claudina Velásquez. What further calculated measures will be taken, so that those responsible can finally be accused of the crimes and sentenced for them?

Yours sincerely,



Copy to:
Botschaft der Republik Guatemala
S. E. Herrn Gabriel Edgardo Aguilera Peralta
Joachim-Karnatz-Allee 45-47, 2. OG.
10557 Berlin