Amnesty International Gruppe Pfaffenhofen / Ilm

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Unser Monatsbrief für September 2009

Fallbeschreibung

Der Kroate Tomislav Matanovic, ein katholischer Pfarrer der Gemeinde Prijedor in Bosnien und Herzegowina, war am 24. August 1995 von der örtlichen Polizei festgenommen worden. Man hatte ihn über Nacht in der Polizeistation in Gewahrsam gehalten und am Folgetag zum Haus seiner Eltern gebracht, wo man Tomislav Matanovic, seinen Vater Josip und seine Mutter Božena unter Hausarrest gestellt hatte. Die Familie blieb bis zum 19. September 1995 unter polizeilicher Überwachung und wurde dann zur Polizeistation Urije gebracht. Von dort "verschwanden" die drei Familienmitglieder.

Am 1. September 2001 fand man auf dem Grund eines Brunnens in dem Dorf Biscani drei an den Händen gefesselte Leichen. Gerichtsmedizinische Untersuchungen belegten, dass es sich bei den Leichen um die Familie Matanovic handelte. Sie waren aus nächster Nähe erschossen worden. Ballistische Tests zeigten außerdem, dass die Schüsse aus einer Polizeiwaffe stammten. Auch die Handschellen entsprachen den normalerweise von der Polizei verwendeten Handschellen. Dies deutet darauf hin, dass die Verantwortlichen für den Tod der Familie Matanovic Polizisten waren.

Derzeit laufen Ermittlungen gegen elf Polizisten. Berichten zufolge haben diese Polizisten Tomislav Matanovic, Josip Matanovic und Božena Matanovic zuletzt lebend gesehen. Mehr als zehn Jahre nach dem Ende des Krieges in Bosnien und Herzegowina werden immer noch mindestens 13.000 Menschen vermisst.

Viele von ihnen sind Opfer des "Verschwindenlassens" durch Armeeangehörige, Polizisten und paramilitärische Einheiten, die an dem von 1992 bis 1995 dauernden Krieg beteiligt waren.

Im Brief an den Generalstaatsanwalt wird gefordert, dass die Ermittlungen schnellstmöglich zu Ende geführt und die für den Tod von Tomislav Matanovic und dessen Eltern Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden.



Hier ist das Anschreiben an die Vertretung des Landes


Botschaft von Bosnien und Herzegovina
Herrn Amer Kapetanovic
Geschäftsträger a. i. (Gesandter-Botschaftsrat)
Ibsenstr. 14
10439 Berlin



Exzellenz,

hiermit übergebe ich Ihnen einen Brief an den Generalstaatsanwalt Ihres Landes, in dem er aufgefordert wird, die Ermittlungen im Fall von Tomislav Matanovic und dessen Eltern Josip und Bozena schnellstmöglich zu Ende zu führen und die für den Tod dieser Familie Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.

Immerhin sind dies drei weitere von 13 000 noch ungeklärten Kriegsschicksalen, die beweisen können, dass nunmehr Gerechtigkeit waltet.

Ich bitte auch Sie, sich für die Klärung solcher Fälle einzusetzen.

Vielen Dank für Ihre Bemühungen.

Anlage

Hier ist der Brief an das betroffene Land


Chief Prosecutor of Republika Srpska
Amor Bukic
VladikePlatona bb
78000 Banja Luka
Bosnia and Herzegovina



Dear Chief Prosecutor,

I am writing to you on behalf of the Croat Tomislav Matanovic, a catholic priest in the municipality of Prijedor in Bosnia-Herzegovina, who lost his life together with his parents in 1995 in circumstances not yet clear.

In August 1995 he was detained by local Bosnian Serb police and carried to his parents` house the following day where the whole family was placed under house arrest till September 1995. Shortly after being transferred to the police station of Urije the three of them “disappeared”. In September 2001 three bodies with handcuffs such as used by police were found in a well near Prijedor and - thanks to the DNA analysis in the new forensic laboratory in Tuzla - identified as Tomislav Matanovic and his parents Josip and Bozena Matanovic. In all probability they had been shot by police officers, because ballistic tests showed that the bullets must have been fired from a weapon normally used by police.

I should like to appeal to you to bring the investigations into this case under way to an end as soon as possible and to put to trial those responsible for these killings.

More than 13 000 people are still missing as a result of the war and there are many cases of “disappearance” among them. I think that it is absolutely necessary to establish the fate of missing persons wherever it is possible in order to establish justice as the basis of peace.

Yours sincerely,

Copy to:
Botschaft von Bosnien und Herzegovina
Herrn Amer Kapetanovic
Geschäftsträger a. i. (Gesandter-Botschaftsrat)
Ibsenstr.14
10439 Berlin