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Patrick Okoroafor

Patrick Okoroafor ist frei!

Der 31-jähriger Nigerianer, der als Jugendlicher zum Tode verurteilt worden war, war insgesamt 17 Jahre lang inhaftiert gewesen. Amnesty International hat sich jahrelang mit Kampagnen für seine Freilassung eingesetzt. Der Ingolstädter Bundestagsabgeordnete Reinhard Brandl (CSU), Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und sogar die EU-Staaten hatten sich zuletzt für Patricks Freilassung stark gemacht.

Patrick Okoroafor hat mehr als die Hälfte seines Lebens im Gefängnis verbracht - jetzt ist er seit dem 30. April 2012 endlich wieder frei!

Informationen zum Fall Patrick Okoroafor (Stand 2009)


Die nigerianische Rechtsanwaltskammer (NBA), nigerianische Nicht-Regierungsorganisationen und amnesty international haben Mr. Ikedi Ohakim, den Gouverneur des Bundesstaates Imo aufgefordert Mr. Patrick Obinna Okoroafor freizulassen. Er war sechzehn Jahre alt, als er am 30. Mai 1997 von einem Strafgericht für Raub und Schusswaffenvergehen (Robbery and Firearms Tribunal) zum Tode verurteilt wurde. 
Zur Zeit wird er im Aba Gefängnis im Bundesstaat Abia gefangen gehalten, obwohl ein Urteil des Hohen Gerichtshofs vom 18. Oktober 2001 sein Todesurteil für illegal, null und nichtig erklärt hat. Er wird nach Abschnitt 368 (3) der Strafprozessordnung gefangen gehalten, der seine Haftstrafe nach Belieben des Gouverneurs (during the pleasure of the governor) zulässt. Seine Haft ist unbegrenzt und verletzt internationales Recht.


Patrick Okoroafor verbrachte bisher beinahe die Hälfte seines Lebens im Gefängnis. Er war vierzehn Jahre alt, als er im Mai 1995 wegen Raub und Entführung verhaftet wurde, ein Verbrechen, das er wie er sagt niemals begangen hat. Die Polizei klagte ihn und sechs weitere schließlich wegen Raubes an. Nach Aussage von Okoroafors Bruder wurden ihm von der Polizei seine Zähne mit Zangen gezogen und er wurde im Polizeigewahrsam aufgehängt und geschlagen.


Sein Bruder gibt an: Patrick ging nur zur Polizei, weil diese das Auto, das unsere Mutter von einem der Verdächtigen gekauft hatte, untersuchen wollte. Dabei wurde er verhaftet. Wir versuchten ihn frei zu bekommen aber die Polizei weigerte sich.


Am 30. Mai 1997, im Alter von sechzehn Jahren, wurde Okoroafor und sechs Mitangeklagte vom Ersten Strafgericht für Raub und Schusswaffen des Bundesstaates Imo zum Tode verurteilt. Dieses Gericht verweigerte den Angeklagten das Berufungsrecht. Okoroafor und Chidiebere Onuoha, ein Mitangeklagter, der zur Zeit seiner Verhaftung fünfzehn Jahre alt war, reichten beim Militärverwalter des Bundesstaates Imo einen mit ihrem Alter begründeten Gnadengesuch ein. Der Militärverwalter bestätigte am 18. Juli 1997 die Todesurteile der sechs Mitangeklagten und wandelte Okoroafors Urteil in lebenslängliche Haft. Am 31. Juli wurden die sechs Männer öffentlich erschossen. Onuoha war siebzehn Jahre alt, als er hingerichtet wurde.


Die nigerianische Verfassung von 1999 garantiert das Berufungsrecht. Im Mai 2000 erlaubte der Hohe Gerichtshof des Bundesstaates Imo Mr. Okoroafor einen Antrag auf Überprüfung und auf Akteneinsicht zu stellen, um das Verfahren und das Urteil des Ersten Strafgerichts für Raub und Schusswaffenvergehen des Bundesstaates Imo aufzuheben und ihn aus dem Gefängnis zu entlassen. Ihm wurde allerdings nicht das volle Berufungsrecht eingeräumt und die Überprüfung des Hohen Gerichtshofes war eingeschränkt. Am 18. Oktober entschied der Hohe Gerichtshof, dass die am Antragsteller und dem zweiten Beklagten am 30. Mai 1997 verhängten Todesstrafen von diesem Gericht aufgehoben werden, da sie illegal und damit null und nichtig sind.

Anstatt einer Haftentlassung als Ergebnis dieses Beschlusses entschied das Gericht, dass der Antragsteller stattdessen nach Belieben des Gouverneurs des Bundesstaates Imo inhaftiert bleibe. 
Mehr als sechs Jahre sind seit dem Urteil des Hohen Gerichtshofes vergangen. Okoroafor ist noch immer im Aba Gefängnis und wartet auf seine Freilassung. Sein langer Gefängnisaufenthalt hat ernste Folgen für seinen Gesundheitszustand; Er leidet unter Asthma und die Gefängnisverwaltung erklärt, dass ... seine (Asthma)-Anfälle so häufig und lebensbedrohlich werden, dass sein weiteres Verbleiben im Gefängnis nicht in seinem medizinischen Interesse ist und dass sich sein Zustand täglich verschlechtert.


Am 22. Oktober 2008 hat Amnesty International zusammen mit LEDAP (Legal Defence and Assistance Project) den neuen ausführlichen Bericht "Waiting for the Hangman" zur Todesstrafe in Nigeria veröffentlicht.

Dieser Bericht zeigt auf, dass in Nigeria weiterhin Todesurteile ausgesprochen werden, obwohl die nigerianische Justiz keinen fairen Prozess garantieren kann. Viele der in Nigeria verhängten Todesurteile stellen eine klare Verletzung internationaler Menschenrechts-Gesetzgebung dar: viele der über 720 Männer und elf Frauen, die zum Tode verurteilt sind, hatten keinen Rechtsbeistand; viele wurden aufgrund durch Folter erpresster Geständnisse verurteilt; etwa 80 wurden während der Militärregierung (vor 1999) verurteilt, ohne die Möglichkeit einer Berufungsverhandlung und über 40 waren zur Zeit des Verbrechens unter 18 Jahre alt.

Amnesty International ruft Nigeria dazu auf sich den Ländern anzuschließen, die die Todesstrafe abgeschafft haben. Solange die Todesstrafe nicht abgeschafft ist, sollten die nigerianischen Behörden ein Moratorium aller Hinrichtungen ausrufen.


Inzwischen wurde im Mai 20009 seine Haft von unbestimmter Zeit auf 10 Jahre festgelegt (siehe auch unseren Blog vom 6.6.2009):
Nach Angaben des Generalstaatsanwalts von Imo State, hat der Gouverneur von Imo State am Freitag, 29. Mai 2009 (Democracy Day) Patricks Urteil von lebenslänglich in 10 Jahr Haft umgewandelt. Diese 10 Jahre werden allerdings ab dem 29. Mai 2009 gerechnet und berücksichtigen nicht die 14 Jahre, die Patrick bereits im Gefängnis verbracht hat – so der Generalstaatsanwalt.

Der Generalstaatsanwalt hat bestätigt, dass die Herabsetzung des Strafmaßes vom Gouverneur unterzeichnet wurde und dass die Gefängnisverwaltung informiert worden sei. Patrick und seine Familie haben allerdings noch keine offizielle Mitteilung erhalten.

Normalerweise müsste eine Reduzierung des Strafmaßes die bereits verbüßte Haft, einschließlich der Untersuchungshaft, berücksichtigen. Anmesty International wird den Generalstaatsanwalt um eine Erklärung ersuchen, warum in Patricks Fall das Strafmaß von 10 Jahren nicht die bereits in Haft verbrachte Zeit berücksichtigt.

Obwohl diese Herabsetzung des Strafmaßes nicht ausreicht um Patrick zu entlassen, hat diese letzte Entwicklung alle, die bei der Kampagne für Patrick engagieren, tief bewegt. Die Aktionen der Mitglieder von Amnesty International haben bewirkt, dass Patricks Urteil von „unbegrenzt – nach Ermessen des Gouverneurs“ auf 10 Jahre reduziert wurde.


Einen Appell seines Bruders aus dem Jahr 2008 finden Sie bei YouTube, dort eingestellt von unserer ai-Nachbargruppe Ingolstadt, unter dem Titel "Freiheit für Patrick Okoroafor". Ein weiter zu empfehlender Titel bei YouTube ist der Song für Patrick Okoroafors Freiheit, gesungen von Karin Okoroafor.


Die Unterschriften-Sammelaktion
für Patrick Okoroafor in Pfaffenhofen
im Dezember 2008 an unserem ai-Stand.

Unser ai-Stand Dez. 2008

Im Dezember 2008 sammelten wir bei unserem Stand in Pfaffenhofen anlässlich des Marktes "Eine Welt für Alle" mehr als 60 Unterschriften zugunsten einer Petition zur Freilassung des unserer Meinung nach seit nunmehr 14 Jahren unschuldig in Nigeria einsitzenden Gefangenen Patrick Okoroafor mit folgendem Inhalt:

His Excellency
Chief Dr. Ikedi Ohakim
Governor of Imo State
Executive Governor’s Office
PMB 1183, Owerri
Nigeria

Amnesty International ist sehr besorgt über die fortgesetzte Inhaftierung von Patrick Okoroafor im Aba Gefängnis.

Er war vierzehn Jahre alt, als er im Mai 1995 wegen Raubes verhaftet wurde, ein Verbrechen, das er - wie er sagt - niemals begangen hat. Er wurde im Polizeigewahrsam misshandelt und am 30. Mai 1997 im Alter von sechzehn Jahren vom „Ersten Strafgericht für Raub und Schusswaffenvergehen des Imo State“ zum Tode verurteilt, ohne die Möglichkeit Berufung einzulegen.

Am 18. Oktober 2001 entschied der Hohe Gerichtshof, dass „die am Antragsteller (P. Okoroafor) ...am 30. Mai 1997 verhängte Todesstrafe von diesem Gericht aufgehoben wird, da sie illegal und damit null und nichtig ist.“

Mehr als sieben Jahre sind seit dem Urteil des Hohen Gerichtshofes vergangen. Okoroafor ist noch immer im Aba Gefängnis und wartet auf seine Freilassung. Sein langer Gefängnisaufenthalt hat ernste Folgen für seinen Gesundheitszustand. Er leidet unter Asthma und die Gefängnisverwaltung erklärt, dass „... seine (Asthma)-Anfälle so häufig und lebensbedrohlich werden, dass sein weiteres Verbleiben im Gefängnis nicht in seinem medizinischen Interesse ist und dass sich sein Zustand täglich verschlechtert.“ 2008 hat, nach Amnesty Internationals Information, das Staatliche Komitee zum Recht auf Begnadigung im Imo State empfohlen, Patricks Urteil in lebenslange Haft umzuwandeln. Amnesty International sieht diese Umwandlung als willkürlich und möglicherweise als Fehlurteil an.

Wir fordern daher den Gouverneur von Imo dringend auf, Patrick Okoroafor freizulassen.

Inzwischen meldete der Donaukurier am 3.11.2010, dass sich bereits die EU mit seinem Fall befasst hat. Mehr dazu finden Sie bei unserer Seite zu Petitionen.

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