Amnesty International Gruppe Pfaffenhofen / Ilm

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Unser Monatsbrief für Oktober 2010

Fallbeschreibung

Die Journalistin Hengameh Shahidi verbüßt derzeit eine sechsjährige Haftstrafe im Teheraner Evin-Gefängnis. Angeklagt hatte man sie wegen "Teilnahme an Versammlungen und Konspiration mit dem Ziel, die nationale Sicherheit zu gefährden", "Propaganda gegen den Staat" und "Beleidigung des Präsidenten". Hengameh Shahidi wurde im Juni 2009 kurz nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen festgenommen und 50 Tage lang in einer winzigen Zelle in Einzelhaft gehalten. Gegen Kaution kam die Journalistin vorübergehend frei, wurde dann aber wieder in Haft genommen, um die Gefängnisstrafe zu verbüßen. Amnesty International betrachtet Hengameh Shahidi als gewaltlose politische Gefangene.

Hengameh Shahidi schrieb für die Zeitung "Nowrooz", bis diese 2002 geschlossen wurde. Danach arbeitete sie als freie Journalistin und schrieb über Themen des Weltgeschehens. Sie beriet den ehemaligen Präsidenten Khatami in Jugendfragen und war Stadträtin in Teheran. Zum Zeitpunkt ihrer Festnahme promovierte sie in Großbritannien, war jedoch wegen der Wahlen in den Iran zurückgekehrt. Dort beriet sie den Präsidentschaftskandidaten Mehdi Karroubi in Frauenrechtsfragen. Sie war ­Mitglied der von ihm gegründeten und inzwischen verbotenen Partei Etemad-e Melli (Nationales Vertrauen).

In den ersten 50 Tagen ihrer Haft wurde Hengameh Shahidi in einer ein mal zwei Meter großen Zelle festgehalten. Nach eigenen Angaben wurde sie geschlagen und mit der Hinrichtung ­bedroht. Die Journalistin hat ein Herzleiden, das in der Haft möglicherweise nicht angemessen medizinisch behandelt wird.

Im Brief an die Oberste Justizautorität wird gefordert, Hengameh Shahidi sofort und bedingungslos freizulassen. Solange sie sich noch in Haft befindet, muss die Journalistin angemessen medizinisch versorgt werden. Außerdem soll eine unabhängige Untersuchung der Berichte eingeleitet werden, denen zufolge ­Hengameh Shahidi in der Haft gefoltert wurde.


Hier ist das Anschreiben an die Vertretung des Landes


Botschaft der Islamischen Republik Iran
S.E. Herrn Alireza Sheikh Attar
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin



Exzellenz,

Sie erhalten heute eine Kopie meines Schreibens an die Oberste Justizautorität Ihres Landes, mit der Bitte, dass sie sich um den Fall der Journalistin Hengameh Shahidi kümmert. Diese Frau wird von Amnesty International als gewaltlose politische Gefangene betrachtet. Sie hat nur von ihrem Recht auf freie Meinungsäusserung Gebrauch gemacht und wurde zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt, die sie momentan im Teheraner Evin-Gefängnis verbüßt. Es wird vermutet, dass sie dort auch nicht die angemessene medizinische Behandlung für ihr Herzleiden bekommt.

Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn auch Sie uns unterstützen und Ayatollah Sadegh Larijani bitten würden, Hengameh Shahidi freizulassen.

Hochachtungsvoll



Anlage




Hier ist der Brief an das betroffene Land


Ayatollah Sadegh Larijani
Howzeh Riyasat-e Qoveh Qazaiyeh
Pasteur St., Vali Asr Ave.,
south of Serah-e Jomhouri
Tehran 1316814737
Iran



Your Honour,

I am writing to ask for your intervention in the case of the journalist Hengameh Shahidi. She has been imprisoned in the Evin Prison in Teheran on charges of participation in assemblies and conspiracy to endanger national security, propaganda against the State and insulting the President.

She is regarded by the human rights’ association Amnesty International as a non-violent political prisoner. She has practised as a free-lance journalist, writing on topics of international concern. She also advised President Khatami on youth questions and was a member of the Teheran City Council. In June 2009, shortly after the presidential elections, for which she returned to Iran from Britain, she was arrested. She was kept for 50 days in solitary confinement in a tiny cell, was released on bail but arrested again to serve a 6 year sentence. During the 50 days solitary confinement she claims to have been tortured and threatened with execution. It is certain that she did not receive appropriate medical treatment for her heart condition.

I would ask you to order the immediate and unconditional release of Hengameh Shahidi. While she is still imprisoned she must receive adequate medical attention. Her claims of torture whilst in solitary confinement must also be investigated by an independent inquiry.

I am most grateful for your attention in this matter,

Yours faithfully,



Copy to:
Botschaft der Islamischen Republik Iran
S.E. Herrn Alireza Sheikh Attar
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin