Amnesty International Gruppe Pfaffenhofen / Ilm

Impressum | Login

Gruppe Pfaffenhofen / Ilm

StartseiteNov2014

Unser Monatsbrief für November 2014

Fallbeschreibung

Japan - Iwao Hakamada


Iwao Hakamada: © Amnesty International

Iwao Hakamada wurde mit dem Tod einer vierköpfigen Familie in Verbindung gebracht und 1966 festgenommen. Zu diesem Zeitpunkt war er Mitte dreißig und arbeitete in einer Fabrik. Gerade hatte er seine Karriere als professioneller Boxer beendet.

Nach einem unfairen Gerichtsverfahren wurde Iwao Hakamada schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Er verbrachte 46 Jahre in der Todeszelle. Im März 2014 ordnete das Bezirksgericht Shizuoka seine Freilassung an, setzte seine Hinrichtung aus und gewährte eine Wiederaufnahme des Verfahrens. Die Staatsanwaltschaft legte Rechtsmittel gegen dieses Urteil ein. Das Hohe Gericht in Tokio muss nun entscheiden, ob das Verfahren tatsächlich wiederaufgenommen wird.

Iwao Hakamada "gestand" den Mord an seinem Vorgesetzten, dessen Ehefrau und ihren beiden Kindern, nachdem er von der Polizei 20 Tage lang verhört worden war, ohne dass ein Rechtsbeistand anwesend sein durfte. Später zog Iwao Hakamada sein Geständnis zurück und gab an, man habe ihn zur Erzwingung des Geständnisses geschlagen, bedroht und täglich zwölf Stunden lang verhört. Sein Geständnis diente dennoch als Grundlage für die Verurteilung.

Iwao Hakamada ist heute 78 Jahre alt. Er ist aufgrund der langen Zeit im Gefängnis, die er größtenteils in Einzelhaft verbracht hat, in einer schlechten seelischen und körperlichen Verfassung.

Einer der Richter des ursprünglichen Gerichtsverfahrens erklärte 2007 öffentlich, dass er Iwao Hakamada für unschuldig halte. Er sagte, dass er während des Verfahrens versucht habe, die anderen beiden Richter von der Unschuld des Angeklagten zu überzeugen, letztendlich jedoch überstimmt worden sei. Alle früheren Rechtsmittel und Anträge auf ein Wiederaufnahmeverfahren wurden abgelehnt - bis zum März 2014.

Im Brief an den zuständigen Staatsanwalt und fordern wir ihn auf, keine Rechtsmittel gegen die Wiederaufnahme des Verfahrens einzulegen. Wir bitten ihn außerdem, sicherzustellen, dass Iwao Hakamada ein ­faires Urteil erhält.


Hier ist das Anschreiben an die Vertretung des Landes


Botschaft von Japan
S. E. Herrn Takeshi Nakane
Hiroshimastraße 6
10785 Berlin

Exzellenz,

hiermit übergebe ich Ihnen einen Brief an den Staatsanwalt Takeshi Nakane, in dem er gebeten wird, sich für die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Iwao Hakamada einzusetzen. Es sollen keine Rechtsmittel dagegen eingelegt werden, sondern es soll ein faires Verfahren geben, denn es bestehen berechtige Zweifel an der Schuld Iwao Hakamadas. Er hat inzwischen 46 Jahre im Gefängnis verbracht, die meisten davon in Einzelhaft, und ist mittlerweile 78 Jahre alt. Der alte Mann ist in einer sehr schlechten seelischen und körperlichen Verfassung. Ich ersuche auch Sie, sich für diesen Bürger Ihres Landes zu verwenden.

Vielen Dank für Ihre Bemühungen.




Anlage


Hier ist der Brief an das betroffene Land


Staatsanwalt
Kotaro ONO
Tokyo Public Prosecutors Office
1-1-1 Kasumigaseki Chiyoda-ku
Tokyo-to 100-8904,
JAPAN

Dear Prosecutor,

I am writing to you on behalf of Iwao Hakamada, a 78-year-old man, who has been on death row for 46 years. Even one of the judges who had once convicted him thought and still thinks that he may be innocent.

Iwao Hakamada, once a professional boxer, was arrested in 1966 and sentenced to death for the murder of a family of four in an unfair trial in 1968. It is true that he confessed to the murder after an interrogation of more than ten hours daily and this for more than 20 days. He was not granted a legal advisor, instead threatened, kicked and clubbed in order to get his confession. Later he retracted this confession referring to the circumstances and maltreatment by the police. However, it remained the basis of his conviction. One of the three judges, who had convicted him, had come out in support of Iwao Hakamada, but had failed to persuade his two colleagues, which resulted in a split judgment for conviction. Up to 2014 all applications for reopening the case have been rejected. But in March this year the district court Shizuoka ruled, that Iwao Hakamada`s case merits a retrial.

As time is running out for Iwao Hakamada, I should like to urge you not to lodge an appeal against the decision of the district court and ensure a fair trial. Iwao Hakamada's mental and physical health have badly deteriorated due to the 46 years of imprisonment mainly spent in solitary confinement.

Yours respectfully,





Copy to:
Botschaft von Japan
S. E. Herrn Takeshi Nakane
Hiroshimastraße 6
10785 Berlin