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Unser Monatsbrief für November 2010

Fallbeschreibung

Der indigenen Gemeinschaft der Lubicon Cree gehören etwa 500 Menschen an, die in der westkanadischen Provinz Alberta in Kanada leben. Im Gegensatz zu den anderen indigenen Gemeinschaft in der Provinz haben die Lubicon niemals eine rechtliche Vereinbarung mit der kanadischen Regierung abgeschlossen, um die Grenzen ihres Landes festzulegen. Das Versprechen der Regierung, ein Lubicon-Reservat einzurichten bzw. ihre Landansprüche anzuerkennen, ist nie eingelöst worden. In den siebziger Jahren unterstützten die Behörden von Alberta die Öl- und Gasförderung auf dem Land der Lubicon - ohne jegliche Konsultation mit den Betroffenen. Sie erklärten die Lubicon zu "Besetzern" ihres eigenen Landes. Die Öl- und Gasförderung führte zu einem Zusammenbruch der traditionellen Wirtschaft, die auf ­Jagen und Fallenstellen basierte, sodass die ehemaligen Selbstversorgergemeinschaften in bittere Armut stürzten. Davon haben sich die Lubicon bis heute nicht erholt. Bis zum heutigen Tag sind Vorkommen im Wert von etwa 14 Milliarden kanadischen Dollar im Lubicon-Gebiet gefördert worden. Die Lubicon selbst profitieren von diesem Reichtum aber nicht. Sie haben bislang keine Entschädigung erhalten. Nahezu 90 Prozent der Gemeinschaft ist auf finanzielle Unterstützung der Regierung angewiesen, die jedoch nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu ­bestreiten. Die Gemeinschaft hat keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen und sauberem Trinkwasser. Die Unterkünfte sind überbelegt und Krankheiten wie Tuberkulose sind bei den Lubicon weitaus häufiger als bei der übrigen Bevölkerung.

Im Brief an den Ministerpräsidenten der Provinz Alberta wird darauf hingewiesen, dass die Anerkennung der Landrechte der Lubicon von großer Bedeutung ist. Die Lubicon brauchen eine gerechte Lösung der Landrechtsfrage, damit sie ihre Wirtschaft wieder aufbauen und ihre eigene Lebensweise wieder pflegen können. Bis die Landrechtskonflikte umfassend gelöst sind, sollte die Regierung von Alberta ohne die Zustimmung der Lubicon keine neuen Förderlizenzen für Öl und Gas vergeben.


Hier ist das Anschreiben an die Vertretung des Landes


Botschaft von Kanada
S. E. Peter Michael Boehm
Leipziger Platz 17
10117 Berlin



Exzellenz,

hiermit übergebe ich Ihnen einen Brief an den Ministerpräsidenten der Provinz Alberta, in dem es um die Anerkennung der Landrechte der Lubicon geht, die von allergrößter Bedeutung ist. Er wird darin auch aufgefordert, ohne die Zustimmung der Lubicons keine neuen Förderlizenzen für Öl und Gas zu vergeben, bevor die Landrechtskonflikte umfassend gelöst sind. Ich ersuche auch Sie, sich für diese indigene Gemeinschaft einzusetzen, damit die Lubicon ihre Wirtschaft wieder aufbauen und ihre eigene Lebensweise wieder pflegen können.

Vielen Dank für Ihre Bemühungen.



Anlage




Hier ist der Brief an das betroffene Land


The Honourable Ed Stelmach
Premier of Alberta
307 Legislature Bldg
10800 – 97Avenue
Edmonton, AB
T5K 2B6
KANADA



Dear Prime Minister of Alberta,

I am writing to you on behalf of the Lubicon Cree, an Indigenous community of 500 individuals in northern Alberta.

Since the 1970s, when their land was first targeted for intensive oil and gas development, the Lubicon Cree have tried without success to establish legal recognition of their land rights through court actions and negotiations. The last talks with the government broke down in 2003. Meanwhile 2,600 oil and gas wells have been drilled on Lubicon Cree land with a devastating impact on the community. The nearly total destruction of the Lubicon economy and way of life has led to overwhelming poverty and a struggle to maintain their ties to the culture of their elders. Before that time the Lubicon Cree had largely been self- sufficient relying on traditional land uses to meet most of their needs. But they have received little assistance to cope with the loss of traditional livelihoods and depend largely on government aid now. Neither have they received any kind of compensation for harm yet, nor has there been any chance for them to benefit from the use of their lands and resources. The Lubicon Cree also lack access to many of the services taken for granted in other communities in Canada, such as safe drinking water and sanitation.

I should like to remind you of the pressing need for a negotiated land settlement with the Lubicon Cree, so that they can build up their economy anew, live in accordance with their culture and see a future for themselves, as states the International Covenant on Civil and Political Rights. Moreover, I should like to urge you not to issue leases, licences or permits without the consent of the Lubicon Cree prior to having reached a just resolution of their land dispute.

Yours sincerely,



Copy to:
Botschaft von Kanada
S. E. Peter Michael Boehm
Leipziger Platz 17
10117 Berlin