Amnesty International Gruppe Pfaffenhofen / Ilm

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Unser Monatsbrief für November 2009

Fallbeschreibung

Oberst Paul Ndokayi wurde am 27. November 2006 in Kinshasa festgenommen. Er war damals Leiter eines Programms zur Demobilisierung ehemaliger Milizen in der DR Kongo. In der Haft wurde er gefoltert und anderweitig misshandelt. Er wird derzeit in Kinshasas Zentralgefängnis "Centre de Detention et Rééducation de Kinshasa" festgehalten. Die Behörden verweigern ihm die medizinische Behandlung der Verletzungen, die er durch die Folter davongetragen hat.

Einen Tag nach seiner Festnahme wurde Paul Ndokayi nach Kin-Mazière in die Zentrale der Sondereinheit der Polizei gebracht. Dort schlug man fünf Stunden auf ihn ein und folterte ihn. Er wurde an Händen und Füßen mit Schnüren und Ketten gefesselt und zu Boden geworfen. Dann schlug man mit Gurten und Stöcken auf ihn ein, trat ihn gegen den Kopf und stach ihm ein Messer in den Fuß. Als er ohnmächtig wurde, brachten ihn die Folterer wieder zu Bewusstsein, nur um ihm mit einem großen Stück Holz mehrfach die Hand zu brechen.

Vertreter von Amnesty International besuchten Paul Ndokayi im Juni 2007 im Gefängnis und stellten fest, dass er am ganzen Körper unter starken Schmerzen litt und seine Arme und Hände kaum bewegen konnte. Er klagte über Schmerzen in den Ohren und sagte, dass er aus den Ohren blute und schlecht höre. Oberst Paul Ndokayi ist wie einige andere ehemalige Armeeangehörige wegen "Terrorismusdelikten" angeklagt. Seit Beginn seiner Haft wurde er weder einer Justizbehörde vorgeführt, noch konnte er von seinem Recht Gebrauch machen, seine Inhaftierung vor Gericht anzufechten.

Im Brief an den Staatspräsidenten der Demokratischen Republik Kongo wird gefordert, dass Paul Ndokayi umgehend medizinisch versorgt wird und dass die für seine Folterungen Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden. Außerdem wird gefordert, dass man ihn sofort freilässt oder umgehend ein Gerichtsverfahren eingeleitet wird.



Hier ist das Anschreiben an die Vertretung des Landes


Botschaft der DR Kongo
Herrn Pierre Yvon Malamba
Osang-A-Bull
Gesandter Botschaftsrat
Im Meisengarten 133
53177 Bonn


Exzellenz,

hiermit übergebe ich Ihnen einen Brief an den Staatspräsidenten Ihres Landes. Er wird darin gebeten, im Fall von Paul Ndokayi, der seit November 2006 unter ungeklärten Umständen inhaftiert ist und durch die Folter schwer gelitten hat, schnellstmöglich tätig zu werden. So wird er aufgefordert, die notwendige medizinische Versorgung des Gefangenen sicherzustellen und dessen Folterer gerichtlich zur Verantwortung zu ziehen. Entweder ist Paul Ndokayi sofort freizulassen, oder es muss umgehend ein Gerichtsverfahren nach internationalen Standards, wie niedergelegt in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, eingeleitet werden.

Ich ersuche auch Sie, sich für diesen Bürger Ihres Landes einzusetzen.

Vielen Dank für Ihre Bemühungen.

Anlage




Hier ist der Brief an das betroffene Land


President Joseph Kabila
Présidence de la République
Kinshasa Gombe
République Democratique du Congo

Excellency,

It gave me quite a shock to hear what has happened to Colonel Paul Ndokayi over the last three years. At the time he was arrested in Kinshasa on November 27th, 2006, he was in charge of a programme for the demobilization of former militiamen in the DR of Congo. While in detention he was heavily tortured. At present he is being held at the “Centre de Detention et Rééducation de Kinshasa” and is denied all medical treatment that could relieve the injuries received by the torture.

One day after his arrest Paul Ndokayi was transferred to the headquarters of the police task force in Kin-Mazière. There he was beaten for five hours, put in chains, thrown to the ground, whipped with belts and bars all over and stabbed in the foot. When he lost consciousness, his tormentors brought him back to consciousness only to break his hand various times by using a big piece of wood.

AI delegates visited Paul Ndokayi in June 2007 in prison and noticed that he suffered from severe pain in all the limbs and could hardly move his arms and legs. He was also bleeding from the ears and could not hear well.

Paul Ndokayi is accused of terrorist offences. But since the beginning of his detention he has neither been taken to court, nor has he been granted the right to appeal.

So I should like to urge you to make sure that Paul Ndokayi will receive all necessary medication and that those responsible for the torture will be brought to justice. Moreover, I should like to ask you either to release Paul Ndokayi immediately or to initiate fair legal proceedings in accordance with international human rights standards.

Yours sincerely,

Copy to:

Botschaft der DR Kongo
Herrn Pierre Yvon Malamba
Osang-A-Bull
Gesandter Botschaftsrat
Im Meisengarten 133
53177 Bonn