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Unser Monatsbrief für November 2011

Fallbeschreibung


Foto: Ragihar Manoharan: © Privat

Im 2. Januar 2006 wurde in Sri Lanka eine Granate aus einer Auto-Rikscha auf eine Gruppe von Studierenden geworfen, die sich an der Küste in Trincomalee verabredet hatten. Einige der Studierenden wurden dabei verletzt. Kurze Zeit darauf traf eine Gruppe von zehn bis 15 Männern in Uniform am Tatort ein, bei denen es sich um Sicherheitskräfte der Spezialeinheit "Special Task Force" (STF) gehandelt haben soll. Die Männer schlugen mit Gewehrkolben auf die Studierenden ein. Augenzeugenberichten zufolge erschossen die PolizistInnen dann fünf der Studierenden, darunter auch Ragihar Manoharan.

Der Vater von Ragihar Manoharan, Dr. Kasippillai Manoharan, lief zum Ort des Geschehens und hörte die Schüsse und wie die Studierenden um ihr Leben flehten. Die Sicherheitskräfte behaupteten, die fünf Studierenden seien durch die Explosion der Granate zu Tode gekommen, doch eine Obduktion ergab, dass sie an den Schusswunden gestorben waren.

Am 10. Januar 2006 fand vor dem Gericht von Trincomalee eine Untersuchung statt, bei der Dr. Kasippillai Manoharan eine Aussage machte. Die Familie erhielt in dieser und mehreren darauffolgenden Nächten anonyme Anrufe und Morddrohungen. Die Familie sah sich schließlich gezwungen, das Land zu verlassen und im Ausland Asyl zu suchen. 13 Sicherheitskräfte wurden in Verbindung mit den Tötungen verhaftet, aber später wieder freigelassen. Eine Kommission wurde einberufen, um den Vorfall sowie elf weitere Todesfälle zu untersuchen. Der Bericht der Kommission wurde aber nie veröffentlicht, sondern direkt an den Präsidenten weitergeleitet. Es wurden keine gründlichen Ermittlungen angestellt, und es wurde gegen niemanden Anklage wegen der Tötungen erhoben.

Im Brief an den Präsidenten von Sri Lanka wird darauf hingewiesen, dass die Familie ein Recht auf die Aufklärung der Tötung von Ragihar Manoharan hat. Der Präsident wird aufgefordert, den Bericht der Untersuchungskommission im Fall Ragihar Manoharan, die im November 2006 einberufen worden war, zu veröffentlichen. Er wird auch gebeten, sicherzustellen, dass in diesem Fall und anderen Menschenrechtsverletzungen in Sri Lanka umfassende Untersuchungen durchgeführt werden.




Hier ist das Anschreiben an die Vertretung des Landes


Botschaft der Demokratischen Sozialistischen
Republik Sri Lanka
S. E. Herrn Upali Sarrath Kongahage
Niklasstr. 19
14163 Berlin


Exzellenz,

hiermit überreiche ich Ihnen einen Brief an den Präsidenten Ihres Landes. Er wird darin gebeten, sich für die Aufklärung der Umstände des Todes von Ragihar Manoharan aus Trincomalee einzusetzen, denn seine Familie hat ein Recht darauf, sie zu kennen. Der Bericht der Untersuchungskommission aus dem Jahre 2006 muss endlich veröffentlicht werden. Solchen Menschenrechtsverletzungen muss grundsätzlich mit umfassenden Untersuchungen begegnet werden. Ich ersuche auch Sie, sich dafür einzusetzen.

Vielen Dank für Ihre Bemühungen.



Anlage




Hier ist der Brief an das betroffene Land


President Mahinda Rajapakse
Presidential Secretariat
Colombo 1
SRI LANKA


Excellency,

I should like to apeal to you to look into the case of Ragihar Manoharan, one of five Sri Lankan Tamil students, who were killed in Trincomalee on January 2, 2006.

All of a sudden, a grenade was thrown from a passing auto rickshaw at the group of students chatting at the seafront. The students tried to get away some of them wounded, but then soldiers in uniform, believed to be members of the Special Task Force, appeared and shot five of them dead, among them Ragihar Manoharan, according to reports of eye-witnesses.

I think that the family of Ragihar Manoharan deserves justice and must know the truth about the circumstances of his death. It is true, that a commission of inquiry was established, which examined the killing of Ragihar Manoharan, but the results have never been made public. Allegedly, the five students were killed by the grenade and the STF not to be held responsible. The autopsy, however, showed mortal gunshot wounds. So how can that be?

When Dr Manoharan tried to find out more about his sun`s fate, his family were suject to harassment and death threats so that he ultimately was forced to leave the country and claim asylum. I should like to urge you to ensure that a thorough investigation be conducted into the killings without any more delay and those responsible be brought to justice. Thank you for your consideration.

Yours respectfully,



Copy to:
Botschaft der Demokratischen Sozialistischen
Republik Sri Lanka
S. E. Herrn Upali Sarrath Kongahage
Niklasstr. 19
14163 Berlin