Amnesty International Gruppe Pfaffenhofen / Ilm

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Unser Monatsbrief für Mai 2010

Fallbeschreibung

Als Gustavo Gómez im August 2009 seine Haustür öffnete, standen zwei bewaffnete Männer vor ihm. Sie feuerten zehn Schüsse auf ihn ab, die ihn tödlich verletzten. Gustavo Gómez war Mitglied der Gewerkschaft der Beschäftigten in der Nahrungsmittelindustrie SINALTRAINAL. Im Gegensatz zu anderen Gewerkschaftern scheint Gómez zuvor keine Morddrohungen erhalten zu haben. Seit der Gründung von SINATRAINAL im Jahr 1982 sind mindestens 22 Gewerkschaftsmitglieder getötet worden. Er ist bislang das letzte Opfer. Allerdings bestehen von Seiten paramilitärischer Gruppen aktuell Morddrohungen gegen die drei führenden Gewerkschaftsmitglieder Luis Javier Correa Suárez, José Domingo Florez und Luís Eduardo García. Im November 2009 erreichte den Präsidenten von SINATRAINAL, Luis Javier Correa, eine Morddrohung per Handy. Das Mobiltelefon war ihm vom Innenministerium und dem Programm für Rechtsschutz überlassen worden. Der Anrufer sagte: "Javier Correa, du hast bis zum 22. Zeit, zurückzutreten. Es wird keinen zweiten Anruf geben." Die Behörden haben zwar Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, um die Gewerkschaftsmitglieder zu schützen. Doch verlangt ein umfassender Schutz auch, dass die Täter strafrechtlich verfolgt werden. Im Kontext des seit vierzig Jahren andauernden bewaffneten Konflikts in Kolumbien werden Gewerkschafter von den Sicherheitskräften und deren paramilitärischen Verbündeten immer wieder beschuldigt, "subversiv" zu sein. Gewerkschaftsmitglieder sind häufig in Gefahr, Opfer von Menschenrechtsverletzungen zu werden. In den letzten zwei Jahrzehnten wurden in Kolumbien über 2.000 Gewerkschafter getötet, und 138 fielen dem "Verschwindenlassen" zum Opfer.

Im Brief an den Präsidenten von Kolumbien wird eine unabhängige und vollständige Aufklärung der Tötung von Gustavo Gómez verlangt. Ebenso wird gefordert, dass die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden. Zusätzlich wird im Brief darauf gedrängt, dass José Domingo Florez, Luis Eduardo García, Luis Javier Correa, ihre Familien sowie andere Mitglieder von SINALTRAINAL in Absprache mit diesen geschützt werden. Außerdem wird eine Untersuchungen zu allen Morddrohungen gegenüber SINALTRAINAL-Mitgliedern, sowie die Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse gefordert.




Hier ist das Anschreiben an die Vertretung des Landes


Botschaft der Republik Kolumbien
I. E. Frau Dr. Maria Dora
Victoriana Mejía Marulanda
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin


Exzellenz,

hiermit übergebe ich Ihnen einen Brief an den Präsidenten Ihres Landes. Er wird darin aufgefordert, den Schutz von José Domingo Florez, Luis Eduardo García, Luis Javier Correa, ihrer Familien sowie anderer Mitglieder der Gewerkschaft SINTRAINAL sicherzustellen und zwar in Absprache mit ihnen selbst.

Es müssen auch alle Morddrohungen gegenüber SINTRAINAL-Mitgliedern untersucht sowie die Ergebnisse der Untersuchungen veröffentlicht werden.

Es wird außerdem gefordert, mit einer unabhängigen und vollständigen Untersuchung die Tötung von Gustavo Gómez aufzuklären. Denn nur wenn dies geschieht und die Verantwortlichen auch vor Gericht gestellt werden, werden sich solche Menschenrechtsverletzungen nicht wiederholen.

Ich bitte auch Sie, sich für die Sicherheit von Gewerkschaftsmitgliedern einzusetzen, damit diese ihre Aufgaben im Sinne der von ihnen vertretenen Menschen durchführen können, ohne Opfer von Menschenrechtsverletzungen zu werden.

Vielen Dank für Ihre Bemühungen.



Anlage




Hier ist der Brief an das betroffene Land


Presidente de la República
Sr. Alvaro Uribe Vélez
Palacio de Narino
Carrera 8 No. 7 – 26
Bogotá
Kolumbien


Dear President,

I am deeply shocked at the death of Gustavo Gómez in August 2009. When he opened the door of his house, two armed men confronted him and killed him by firing 10 bullets at him. He was a member of SINALTRAINAL, a trade union of the food industry.

Three other leading members of SINALTRAINAL are in great danger having received death threats from paramilitary groups. Their names are Luis Javier Correa Suárez, José Domingo Florez and Luis Eduardo García. It is true that the authorities have taken measures to protect these trade unionists, but as it seems without much success, maybe because there is no criminal prosecution of the perpetrators.

According to reports by Amnesty International members of trade unions are often accused of subversive activities by the security forces and their paramilitary allies and therefore in danger of becoming victims of human rights violations. In the course of the last two decades more than 2000 trade unionists were killed and 138 just “disappeared” in Colombia.

I should like to ask you to start an independent and complete investigation into the murder of Gustavo Gómez and to put to court those guilty of the crime. Moreover, I should like to urge you to ensure a better protection of José Domingo Florez, Luis Eduardo García, Luis Javier Correa, their families and other members of SINALTRAINAL in arrangement with them. All death threats towards members of SINALTRAINAL have to be investigated and the results have to be published as well.

Yours sincerely,



Copy to:
Botschaft der Republik Kolumbien
I. E. Frau Dr. Maria Dora
Victoriana Mejía Marulanda
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin