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Gruppe Pfaffenhofen / Ilm

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Mai-Brief 2007

Fallbeschreibung

Gary Tyler, USA

Gary Tyler, ein 48-jähriger schwarzer US-Amerikaner befindet sich seit dem Alter von 17 Jahren im US-Bundesstaat Louisiana in Haft, nachdem er in einem unfairen und von rassistisch motivierten Vorurteilen geprägten Gerichtsverfahren wegen Mordes schuldig befunden worden war. Er wurde 1975 wegen der Ermordung von Timothy Weber, einem 13-jährigen weißen Schüler, der im Zuge von Rassenunruhen vor seiner Schule erschossen worden war, zum Tode verurteilt.

Gary Tyler saß damals zusammen mit mehreren schwarzen Schülern in einem Bus, der von Weißen mit Steinen und Flaschen beworfen wurde. Der tödliche Schuss soll aus dem Bus heraus abgefeuert worden sein. Ein Mädchen sagte aus, im Bus neben Gary Tyler gesessen und gesehen zu haben, wie er in die Menge schoss. Nach dieser Aussage "fand" die Polizei später in dem Bus eine Waffe, die in einem Sitz mit einem gut sichtbaren Riss versteckt worden war. Der gesamte Bus war allerdings zuvor sorgfältig durchsucht worden, wobei keine Waffe entdeckt worden war. Zur damaligen Zeit kam es immer wieder zu Rassenunruhen, unter anderem weil weiße Bevölkerungsschichten sich der Integration anderer Bevölkerungsgruppen widersetzten. Schlüssige Beweise deuten darauf hin, dass Gary Tyler bei den Verhören auf der Polizeiwache brutal geschlagen wurde. Sein Gerichtsverfahren fand vor einer Jury statt, der nur weiße Geschworene angehörten, nachdem schwarze Kandidaten bewusst ausgeschlossen worden waren. Zudem war seine Verteidigung durch einen ebenfalls weißen Rechtsanwalt in hohem Maße fehlerhaft. Nach dem Gerichtsverfahren sind mehrere Erkenntnisse zu Tage gekommen, die darauf hinweisen, dass Gary Tyler die tödlichen Schüsse nicht abgegeben hat. Zudem haben Zeugen, die ihn zuvor durch ihre Aussagen belastet hatten - darunter auch seine Sitznachbarin im Bus - inzwischen ausgesagt, von der Polizei zu ihren Aussagen genötigt worden zu sein.

Der Oberste Gerichtshof der USA (US Supreme Court) hatte das vom Bundesstaat Louisiana gegen Gary Tyler verhängte Todesurteil für verfassungswidrig und 1977 die Umwandlung in eine lebenslange Haftstrafe verfügt.

Im Brief an die Gouverneurin von Louisiana wird sie aufgefordert, das Fehlurteil aufzuheben und Gary Tyler mit sofortiger Wirkung zu begnadigen. Außerdem soll eine umfassende und unabhängige Untersuchung des Falls angeordnet werden und alle Personen, die an Rechtsbeugung, Verschleierung oder anderen Verstößen in diesem Zusammenhang beteiligt waren, sollen vor Gericht gestellt werden.

Hier ist das Anschreiben an die Vertretung des Landes

Kanzlei der Botschaft der
Vereinigten Staaten von Amerika
S.E. Herrn William Robert Timken, Jr
Neustädtische Kirchstr. 4-5
10117 Berlin

Excellency,

I am enclosing a copy of a letter which I have written to the Governor of the US State of Louisiana in which I ask her to release a prisoner who has been imprisoned for over 30 years for a crime which, it would now seem, he did not commit. I have also asked her to instigate an inquiry into the court procedures. The trial appears to have not been held fairly and great injustice has been done.

I would like to ask you also to support Amnesty International in our appeal on behalf of Gary Tyler so that he might be released immediately.

Yours faithfully,

Anlage

Hier ist der Brief an das betroffene Land

Governor Kathleen Babineaux Blanco
Office of the Governor
P O Box 94004
Baton Rouge
LA 70804-9004
USA

Dear Governor,

I am writing to you today to bring before you the case of Gary Tyler. Mr Tyler is a 48 year old black US citizen who has been imprisoned for over 30 years. As a 17 year old schoolboy he was accused of shooting a 13 year old white schoolboy during some racial disturbances outside his school.

Gary Tyler was sitting in a bus which was being stoned by white people. A shot was fired from the bus which killed the white schoolboy. A weapon was later found, after the bus had been thoroughly searched, hidden in one of the seats. A girl who had been sitting beside him also claimed that he had fired the shot. Later, she claimed that her statement had been forced from her by the police. This 17 year old schoolboy was sentenced to death, after a trial full of racial prejudice. No black jurors were allowed, and his defence by a white lawyer was inaccurate. Later, other evidence and statements appear to point to the fact that Gary Tyler is innocent of this crime.

In 1977 the US Supreme Court declared his death sentence to be unconstitutional and it was commuted to a life sentence. In the light of present knowledge this would also appear to be wrong. I would ask you to order an immediate release of this prisoner and to instigate an immediate and independent investigation of this case and to bring all those involved in perjury and violation of the law to justice.

Yours faithfully,

Copy to:
Kanzlei der Botschaft der
Vereinigten Staaten von Amerika
S.E. Herrn William Robert Timken, Jr
Neustädtische Kirchstr. 4-5
10117 Berlin