Amnesty International Gruppe Pfaffenhofen / Ilm

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Unser Monatsbrief für März 2010

Fallbeschreibung

Der tibetische Dokumentarfilmer Dhondup Wangchen wurde in China zu sechs Jahren Haft verurteilt. Grund für seine Anklage war ein Dokumentarfilm, den er vor den Olympischen Spielen in Peking im Jahr 2008 gedreht hatte.

Der Dokumentarfilm Leaving Fear Behind zeigt eine Reihe von Interviews mit TibeterInnen, die alle Zweifel an dem Versprechen der chinesischen Behörden äußern, dass ihnen vor den Olympischen Spielen mehr Freiheit gewährt werde. Das Rohmaterial des Films wurde in die Schweiz geschmuggelt und dort stellte Dhondup Wangchens Cousin, Gyaljong Tsetrin, den Film fertig. Dhondup Wangchen war am 26. März 2008 in der Provinz Qinghai festgenommenworden.

Am 13. Juli 2008 floh er und rief Gyaljong Tsetrinan. Am folgenden Tag nahm man ihn erneut fest. Seither befindet er sich im Gefängnis Nummer 1 der Stadt Xining. Dhondup Wangchen berichtete seinem Cousin in dem Telefonat, dass er in Haft gefoltert worden sei.

Während wochenlanger Verhöre habe man ihn geschlagen, unter anderem mit Fausthieben auf den Kopf, häufig habe er nichts zu essen bekommen, sei am Schlafen gehindert und an einen Stuhl gefesselt worden. Er leidet an Hepatitis B und hat bisher keine medizinische Versorgung erhalten.

Die Anklage gegen Dhondup Wangchen lautete auf "Anstiftung zum Separatismus". Sein Gerichtsverfahren fand im Geheimen statt und er wurde darin der "Staatsgefährdung" schuldig befunden. Die chinesischen Behörden zwangen die von seiner Familie beauftragten Anwälte im Juli 2009, die Verteidigung niederzulegen. Es ist unklar, ob Dhondup Wangchen ab diesem Zeitpunkt des Verfahrens überhaupt noch anwaltlich vertreten wurde. Rechtsmittel gegen das Urteil durfte er nicht einlegen. Amnesty International betrachtet ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen.

Im Brief an den chinesischen Justizminister wird dieser aufgefordert, Dhondup Wangchen umgehend und bedingungslos freizulassen. Außerdem wird darauf gedrungen, dass eine gründliche und unparteiische Untersuchung der von Dhondup Wangchen erhobenen Foltervorwürfe durchgeführt wird und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden.

Hier ist das Anschreiben an die Vertretung des Landes


Botschaft der Volksrepublik China
S. E. Wu Hongbo
Märkisches Ufer 54
10179 Berlin


Exzellenz,

hiermit übergebe ich Ihnen ein Schreiben an den Justizminister Ihres Landes. Er wird darin aufgefordert, den Filmemacher Dhondup Wangchen umgehend und bedingungslos freizulassen.

Ich ersuche auch Sie, sich für seine Freilassung einzusetzen, auch weil es erhebliche Verfahrensfehler gab im Hinblick auf internationales Recht. Auch die Foltervorwürfe sind aufzuklären und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Vielen Dank für Ihre Bemühungen.



Anlage




Hier ist der Brief an das betroffene Land


Minister of Justice
Wu Aiying Buzhang
Sifabu
10 Chaoyangmen Nandajie
Chaoyangqu
Beijingshi 100020
VOLKSREPUBLIK CHINA


Your Excellency,

Amnesty International, of which I am a member, has taken an interest in the case of Dhondup Wangchen, a Tibetan maker of documentary films. He is regarded as a prisoner of conscience.

Dhondup Wangchen was arrested in the province of Qinghai on March 26th, 2008, and is being held in Prison Number One in the town of Xining at present. In the course of several weeks of interrogation he was repeatedly subjected to torture such as heavy blows on the head, lack of food and lack of sleep and other ill-treatment. He suffers from hepatitis B, but is denied medical treatment. He was tried in secret, the trial resulting in six years of imprisonment. In July 2009 the counsels put in charge of the case by the family were not allowed to act for the defendant any longer. He does also not have the right of appeal, which is not in accordance with international standards.

Even if legal codes and procedures vary from country to country and culture to culture, certain fundamental ideas remain common – the enduring values of justice, fairness, compassion and humanity.

I should like to ask you to release Dhondup Wangchen immediately and unconditionally. Moreover, I should like to urge you to start a thorough and impartial investigation into the accusation of torture made by this prisoner of conscience and to bring those who are responsible for this violation of human rights to justice.

Yours sincerely,



Copy to:
Botschaft der Volksrepublik China
S. E. Herrn Wu Hongbo
Märkisches Ufer 54
10179 Berlin