Amnesty International Gruppe Pfaffenhofen / Ilm

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Gruppe Pfaffenhofen / Ilm

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März-Brief 2009

Fallbeschreibung

Der bekannte Komiker, Schauspieler und Filmemacher Zarganar, der öffentlich die Militärregierung von Myanmar kritisiert, wurde Ende November 2008 zu insgesamt 59 Jahren Gefängnis verurteilt. Amnesty International betrachtet ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen.

Im Mai 2008 traf der Zyklon Nargis Myanmar. In der Folgezeit koordinierte Zarganar die Bemühungen, Hilfsgüter von privaten SpenderInnen zu beschaffen und zu verteilen. Am 4. Juni 2008 wurde er wegen seiner ehrenamtlichen Hilfsleistungen festgenommen, nachdem er in Interviews mit den Medien aus Übersee kritisiert hatte, wie die Regierung mit der Krise umgeht. In diesen Interviews enthüllte Zarganar die Zerstörung, über die die strikt kontrollierten Medien in Myanmar nicht berichtet hatten. Er und andere Freiwillige dokumentierten ferner die Auswirkungen des Zyklons und Hilfseinsätze durch ehrenamtliche KatastrophenhelferInnen, indem sie Foto- und Videomaterial in den betroffenen Regionen sammelten. Mindestens 21 weitere freiwillige HelferInnen wurden festgenommen, weil sie den Überlebenden des Wirbelsturmes geholfen hatten.

Die Gefängnisstrafe von 59 Jahren, die gegen Zarganar verhängt wurde, enthält drei Einzelstrafen von je 15 Jahren nach dem "Electronics Act", einem Gesetz, das die elektronische Kommunikation reglementiert. Amnesty International befürchtet, dass Zarganar erkrankt ist und Gefahr läuft, gefoltert oder misshandelt zu werden. Zurzeit hält man Zarganar im Myitkyina-Gefängnis im Bundesstaat Kachin im Norden Myanmars fest, das fast vier Tagesreisen von Rangun (Yangon), dem Wohnort seiner Familie, entfernt ist. Häftlinge in Myanmar sind üblicherweise darauf angewiesen, dass ihre Angehörigen sie mit Medizin und Nahrung versorgen.

Der Informationsminister von Myanmar wird aufgefordert, dass Zarganar umgehend und bedingungslos freigelassen wird. Außerdem wird darauf gedrungen, dass die Haft aller gewaltlosen politischen Gefangenen und der Missbrauch von Sicherheitsgesetzen zu Zwecken der Bestrafung von friedlichem Dissens beendet wird.

Hier ist das Anschreiben an die Vertretung des Landes


Botschaft der Union Myanmar
S. E. U Tin Win
Thielallee 19
14195 Berlin


Exzellenz,

ich möchte Sie meines Mitgefühls bezüglich der Folgen des Wirbelsturms Nargis versichern und übergebe Ihnen einen Brief an den Innenminister Ihres Landes. Er wird darin gebeten, den ehrenamtlichen Einsatz des Schauspielers und Filmproduzenten Zarganar als das zu würdigen, was er in Wirklichkeit ist, nämlich Hilfe für die betroffene notleidende Bevölkerung. Amnesty International betrachtet ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen wie auch die anderen freiwilligen Helfer bei der Bewältigung der Katastrophe und fordert deren umgehende und bedingungslose Freilassung. Sicherheitsgesetze dürfen nicht zum Zweck der Bestrafung von friedlichem Dissens missbraucht werden.

Ich ersuche auch Sie, sich in diesem Sinn einzusetzen. In Zeiten großer Not wie bei Naturkatastrophen müssen alle Menschen und Nationen zur Linderung der Not zusammenstehen. Vielen Dank für Ihre Bemühungen.

Anlage

Anlage

Hier ist der Brief an das betroffene Land


Brigadie-General Kyaw Hsan
Minister of Information
Ministry of Information Bldg. (7)
Naypyitaw
MYANMAR


Dear General,

I am appealing to you in the case of Zarganar, a well­known comedian, actor and film producer, who was sentenced to 59 years of imprisonment in November 2008. Amnesty international regards him as a prisoner of conscience.

In May 2008, when the cyclone Nargis hit Myanmar, Zarganar tried to co­ordinate the disaster relief on a voluntary basis. He gathered aid supplies given by generous private donators and distributed them among the people affected by the cyclone and therewith in desperate need of help. In June 2008 he was arrested on the basis of the “Electronics Act” together with at least 21 voluntary workers. They had solely made public the situation of the people and organized the honorary activities in the disaster areas. It will hardly be necessary to say that they have never used or advocated any kind of violence.

At present Zarganar is being detained in the Myitkyina prison in the north of Myanmar. It is to be feared that Zarganar is in bad health as well as in danger of maltreatment. Moreover, his family cannot bring him medicine and food, which seems to be necessary in your country, so that prisoners can survive. Myitkyina in the Federal State of Kachin is far away from Yangun and that would mean more than three days of traveling for his family.

I should like to ask you urgently to release Zarganar immediately and unconditionally as well as to end the detention of all the other prisoners of conscience. I should also like to make clear that peaceful dissent is not to be sentenced on the basis of security legislation.

Yours sincerely,

Copy to:
Botschaft der Union Myanmar
S. E. U Tin Win
Thielallee 19
14195 Berlin