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Unser Monatsbrief für Juli 2017

Fallbeschreibung

Jamaika - Shackelia Jackson

Am 20. Januar 2014 wurde ein Mann namens Nakiea Jackson in Kingston in der Imbissstube, in der er arbeitete, von der Polizei erschossen. Augenzeugenberichten zufolge kamen mehrere Polizist_innen auf der Suche nach einem Mann mit Dreadlocks zu der Imbissstube, und als Nakiea (der Dreadlocks hat) zur Tür hereinkam, betrat ein Polizist mit einer Waffe den Laden. Es folgten zwei Knallgeräusche, woraufhin der leblose Körper von Nakiea Jackson von Polizist_innen aus dem Imbiss und in ein Auto geschleift wurde.

Unmittelbar darauf kam Shackelia Jackson, die Schwester von Nakiea, aus dem benachbarten Haus der Familie in den Imbiss und riegelte den Laden ab. Bald darauf führte die unabhängige Polizeiaufsichtsbehörde vor Ort eine Untersuchung durch. In der Folge wurde Anklage gegen einen Polizisten erhoben. Doch im Juli 2016 wurde eine gerichtliche Anhörung zur Beweisfeststellung abgebrochen, nachdem ein Zeuge nicht wie vereinbart vor Gericht erschien. Seinen Angaben zufolge fürchtete er sich vor Konsequenzen. Dies bedeutet, dass Shackelia Jackson und ihre Familie nun noch länger auf Gerechtigkeit für den Tod von Nakiea Jackson warten müssen.

Zudem werden sie seither von der Polizei eingeschüchtert, offenbar mit dem Ziel, sie von weiteren Schritten abzuhalten. Die Familie berichtet, im Gerichtssaal eingeschüchtert und schikaniert worden zu sein, und dass polizeiliche Durchsuchungen in ihrer Nachbarschaft oft an den Tagen stattfanden, an denen gerichtliche Anhörungen im Fall von Nakiea Jackson angesetzt waren. Trotz dieser Hindernisse und der im jamaikanischen Justizsystem herrschenden Straflosigkeit kämpft Shackelia Jackson weiterhin dafür, die Wahrheit hinter dem Tod ihres Bruders ans Licht zu bringen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.

Im Brief an den Justizminister dringen wir darauf, in Absprache mit der Familie von Nakiea Jackson wirksame Schutzmaßnahmen für sie bereitzustellen. Wir bitten zudem um zusätzliche Mittel für den Special Coroner’s Court (Gericht zur Untersuchung von Todesursachen) für eine umgehende, unabhängige und sorgfältige Untersuchung der rechtswidrigen polizeilichen Tötung von Nakiea Jackson. Wir fordern ihn auf, dafür zu sorgen, dass die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden, auch diejenigen mit Befehlsverantwortung. Wir dringen auf eine Reform des Strafjustizsystems und besseren Zugang zu unabhängigen und unparteiischen Gerichten. Wir fordern zudem dringend Schutz vor Einschüchterung und Schikane im Gerichtssaal für Zeuginnen und Familienangehörige.


Hier ist das Anschreiben an die Vertretung des Landes


Botschaft von Jamaika
I. E. Frau Margaret Ann Louise Jobson
Schmargendorfer Straße 32
12159 Berlin



Exzellenz,

hiermit übergebe ich Ihnen einen Brief an den Justizminister Ihres Landes. Er wird darin gebeten, sich des Falles von Shackelia Jackson anzunehmen, die die rechtswidrige polizeiliche Tötung ihres Bruders Nakiea Jackson in Kingston im Jahre 2014 aufzuklären versucht. Ich ersuche Sie auch, sich für den Schutz der Familie nach deren Vorstellung einzusetzen und darauf hinzuwirken, dass die nötigen Mittel für eine umgehende, unabhängige und sorgfältige Untersuchung der Umstände der Tötung von Nakiea Jackson bereitgestellt werden, so dass die Verantwortlichen endlich vor Gericht gestellt werden können. Ganz allgemein brauchen Zeugen und Familienangehörige dringend Schutz vor Einschüchterung und Schikane. Mit allem Respekt möchte ich sagen, dass eine Reform des Strafjustizsystems sicher viele der bestehenden Probleme lösen könnte.

Hochachtungsvoll


Anlage


Hier ist der Brief an das betroffene Land



Justizminister Delroy Chuck
Ministry of Justice
Commerce Gate,
61 Constant Spring Road
Kingston 10
JAMAIKA



Honourable Delroy Chuck, Minister of Justice,

I am writing to you on behalf of Shackelia Jackson, who is still seeking justice for the unlawful killing of her brother Nakiea Jackson by police in Kingston in January 2014.

According to eye-witnesses several policemen were looking for a man with dreadlocks. Nakiea Jackson had dreadlocks and so they shot him dead in his cook shop, where he was working. Then he was dragged out and stowed away in the back of a police car. When his sister arrived, she closed the shop in order to preserve everything untouched. As I know from Amnesty International, later a charge was brought against a policeman, but it was dismissed in July 2016, because the eye-witness did not dare to appear in court and testify. He was afraid of the consequences the giving of evidence might have for him. Shackelia and her family also face harassment, intimidation and violence. Nevertheless, they want to defend their case and see that justice is done.

I should like to ask you to take measures of protection for the Jackson family according to their wishes and to provide the necessary means for an immediate, impartial and thorough investigation into the killing of Nakiea Jackson. Those responsible shall not remain in impunity, but have to be brought to justice. Moreover, all witnesses and family members have to be protected from harassment, intimidation and violence. With all due respect, I should like to appeal to you to bring about a reform of the criminal justice system in your country, so that justice can take its course.

Yours truthfully,




Copy to:
Botschaft von Jamaika
I. E. Frau Margaret Ann Louise Jobson
Schmargendorfer Straße 32
12159 Berlin