Amnesty International Gruppe Pfaffenhofen / Ilm

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Unser Monatsbrief für Juli 2012

Fallbeschreibung
Alexandr Rafalsky Aleksandr Rafalsky: © Amnesty

Aleksandr Rafalsky wurde 2001 in Kiew verhaftet, da man ihn verdächtigte, an der Tötung von vier Menschen beteiligt gewesen zu sein. Nach einem fehlerhaften Verfahren wurde er 2004 zu lebenslanger Haft verurteilt. Bis heute befindet er sich in der ukrainischen Stadt Winnyzja im Gefängnis. Nach eigenen Angaben wurde Rafalsky in der Haft gefoltert.

Am 24.Oktober 2011 hat die Staatsanwaltschaft in Kiew angekündigt, die Foltervorwürfe untersuchen zu wollen. Anfang Mai 2012 berichtete die Mutter von Aleksandr Rafalsky, Tamara Rafalskaya, dass trotz der Ankündigung der Staatsanwaltschaft bis heute keine Untersuchung stattgefunden habe. Aleksandr Rafalsky gab an, er sei zwischen der Festnahme am 13. Juni 2001 und der Anklageerhebung am 26. Juni 2001 wiederholt Folter und anderen Misshandlungen ausgesetzt gewesen - unter anderem einer Scheinhinrichtung. Das "Geständnis" sei erzwungen worden. Er beteuert bis heute seine Unschuld. Amnesty International beobachtet mit Besorgnis, dass in der Ukraine Folter und andere Misshandlungen in Hafteinrichtungen der Polizei weit verbreitet sind.

Die ukrainische Öffentlichkeit wurde durch das Engagement von Tamara Rafalskaya sowie durch den Einsatz der Mütter anderer Gefangener und verschiedener Menschenrechtsorganisationen auf Folterungen in Polizeigewahrsam aufmerksam. Amnesty International geht davon aus, dass die strafrechtliche Untersuchung der Foltervorwürfe von großer Bedeutung ist und dazu beitragen würde, der Straffreiheit bei Folter und anderen Misshandlungen in der Ukraine ein Ende zu setzen.

Im Brief an den ukrainischen Generalstaatsanwalt wird eine unparteiische Untersuchung der von Aleksandr Rafalsky erhobenen Folter und Misshandlungsvorwürfe gefordert. Weiterhin wird eine Wiederaufnahme seines Verfahrens gefordert, da dies offenbar nicht geltenden Standards für ein faires Gerichtsverfahren entsprach.




Hier ist das Anschreiben an die Vertretung des Landes



Botschaft der Ukraine
Herr Khymynets Vayl
Geschäftsträger a.i.
Gesandter-Botschaftsrat
Albrechtstr 26
10117 Berlin


Exzellenz,

Sie erhalten eine Kopie meines Schreibens an den Generalstaatsanwalt Ihres Landes. Darin wird der Fall eines Bürgers Ihres Landes, der unter Arrest gefoltert wurde, dargestellt. Amnesty International beobachtet mit Besorgnis, dass in der Ukraine Folter und andere Misshandlungen in Hafteinrichtungen der Polizei weit verbreitet sind.

Trotz der Ankündigung der Staatsanwaltschaft vom Oktober 2011, die Foltervorwürfe untersuchen zu wollen, hat bis heute keine Untersuchung stattgefunden.

Wir appellieren auch an Sie, sich auch für diesen Fall einzusetzen. Hochachtungsvoll



Anlage




Hier ist der Brief an das betroffene Land



Viktor Pavlovich Pshonka
General Prosecutor of Ukraine
Riznitska Str 13/15
01601 KYIV
Ukraine


Dear General Prosecutor,

Recently people from all over the world were able to view exciting football matches taking place in your country and they would have been impressed by the good organisation and happy atmosphere prevailing. Unfortunately, there is still one aspect of life in Ukraine which is not so satisfactory and that is in the field of police responsibility and justice.

I refer to the case of Aleksandr Rafalsky, who has been imprisoned, wrongly, as he maintains, since June 2001. He was arrested on suspicion of murder and subjected to repeated torture over the next two weeks. Not until several years later was his mother, Tamara Rafalska, able to find out details of what actually happened. Also under torture, a fellow prisoner brought accusations against him and so he received a life sentence. Thanks to his mother’s tireless researches it was finally recognised that Aleksandr had indeed suffered torture and they were told that in October 2011 this incident would be investigated. Up till now this has not happened. Amnesty International demands that an impartial investigation should take place and that he should be given a fresh and fair trial. Aleksandr Rafalsky is still in prison in Winnyzja, 11 years after being arrested for a crime for which he claims he is innocent.

In football foul play is punished, fair play in everyday life is a situation to be aimed at.

Yours faithfully



Copy to:

Botschaft der Ukraine
Herr Khymynets Vayl
Geschäftsträger a.i.
Gesandter-Botschaftsrat
Albrechtstr 26
10117 Berlin