Amnesty International Gruppe Pfaffenhofen / Ilm

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Unser Monatsbrief für Januar 2015

Fallbeschreibung

Indien - Rampyari Bai und Safreen Khan sowie weitere Überlebende des Bhopal-Unglücks


Nachkommen von Überlebenden des Bhopal-Unglücks: © Amnesty International

Am 3. Dezember 1984 traten aus einer Pestizidfabrik im indischen Bhopal mehrere Tonnen giftiger Stoffe aus. Das Gasunglück tötete innerhalb von drei Tagen zwischen 7.000 und 10.000 Menschen. Viele Überlebende leiden auch heute noch unter schweren gesundheitlichen Beschwerden, besonders Frauen sind betroffen. Die Verunreinigung durch Giftmüll auf dem verlassenen Fabrikgelände stellt zudem nach wie vor eine ernste Gefahr für die Gesundheit der Menschen dar, die in der Nähe wohnen.

Die Überlebende Rampyari Bai und die jugendliche Aktivistin Safreen Khan haben die Folgen der Katastrophe aus erster Hand erfahren. Die Schwiegertochter von Rampyari Bai war zum Zeitpunkt des Unglücks im siebten Monat schwanger. In der Nacht der Gaskatastrophe setzten bei ihr plötzlich die Wehen ein. Mutter und Kind starben noch im Krankenhaus. Rampyari Bai selbst kämpft seit Langem mit Krebs.

Safreen Khans Vater leidet infolge des Unglücks an einer schweren Herzkrankheit, ihre Mutter an einer Augenerkrankung. Ihren Angaben zufolge kommen viele Kinder mit Behinderungen oder Fehlbildungen zur Welt. Viele der dort lebenden Menschen sind überzeugt, dass ihre gesundheitlichen Probleme noch dadurch verstärkt werden, dass sie gezwungen sind, verunreinigtes Wasser zu trinken.

Auch 30 Jahre nach der Katastrophe kämpfen die Menschen von Bhopal noch um Gerechtigkeit. Die Überlebenden haben bisher keine angemessene Entschädigung erhalten, und viele von ihnen leben nun in bitterer Armut. Die Verunreinigungen auf dem Gelände sind immer noch nicht beseitigt und die verantwortlichen Konzerne nicht zur Verantwortung gezogen worden.

Im Brief an den indischen Premierminister bitten wir ihn dringend, die Verunreinigungen auf dem Fabrikgelände zu beseitigen. Wir appellieren außerdem an ihn, dafür zu sorgen, dass die für das Unglück und die Umweltfolgen Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.




Hier ist das Anschreiben an die Vertretung des Landes


Botschaft der Republik Indien
S. E. Herrn Vijay Keshav Goghale
Tiergartenstraße 17
10785 Berlin

Exzellenz,

hiermit übergebe ich Ihnen einen Brief an den indischen Premierminister, in dem er gebeten wird, die Verursacher des schrecklichen Unglücks in Bhopal, bei dem mehrere Tonnen giftiger Stoffe aus einer Fabrik ausgetreten sind, zur Verantwortung zu ziehen. Darüber hinaus ist es dringend notwendig, die immer noch bestehenden Verunreinigungen auf dem Fabrikgelände zu beseitigen. Die betroffenen Menschen müssen endlich in einer Umgebung leben können, die sie nicht immer noch krank macht. Ich bitte auch Sie, sich für diese Bürger Ihres Landes einzusetzen und ihnen ihre Menschenwürde zurückzugeben.

Vielen Dank für Ihre Bemühungen.




Anlage


Hier ist der Brief an das betroffene Land


Narendra Modi
Prime Minister`s Office
South Block, Raisina Hill
New Delhi-110011
INDIEN

Honourable Prime Minister,

It was on December 3, 2014, when the 30th anniversary of the devastating industrial disaster, that befell the local population of Bhopal, took place. Within three days between 7,000 and 10,000 people fell victim to a toxic gas leak in a pesticide factory and lost their lives, a heart rending tragedy. Meanwhile many more people have died as a result of the polluted surroundings, because nothing has been done so far to clean up the factory site and give people access to clean water.

A lot of survivors still suffer grave health problems such as cancer, among them Rampyari Bai, who lost her seven month pregnant daughter-in-law only few days after the fatal accident. Safreen Khan, another activist, reported that many children have been born and still are born with disabilities and deformities. Her own father has had grave heart problems and her mother difficulties with her eyesight just as many other people, who were badly affected by this environmental catastrophe.

30 years of great suffering have already passed and the people of Bhopal are still fighting for justice. They have not yet received adequate compensation and many of them live in utmost poverty. I should like to ask you to ensure that those responsible for the life-destroying disaster and the death toll as well as the ongoing pollution and the damage to the environment are called to account. But I should also like to beseech you and urge you to see to it that the companies involved decontaminate the polluted area and provide people with clean water in order to finally improve their living conditions and thus give them better perspectives for the future with respect to human dignity.

Yours respectfully,





Copy to:
Botschaft der Republik Indien
S. E. Herrn Vijay Keshav Goghale
Tiergartenstraße 17
10785 Berlin