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Januar-Brief 2008

Fallbeschreibung

Artur Achmatchanow, Russische Föderation

"Auch heute denke ich wieder, dass sie mir vielleicht heute oder morgen meinen Sohn zurückgeben werden. Ich träume jede Nacht von ihm und muss ständig weinen. Das ist kein Leben mehr. Für mich ist das Leben stehen geblieben. Ich bin einfach nur noch hier", sagte Bilat Achmatchanow, die Mutter von Artur Achmatchanow.

Am 2. April 2003 wurde der Student und Menschenrechtsverteidiger Artur Achmatchanow in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny von vermummten Männern, bei denen es sich um Angehörige der Streitkräfte der Russischen Föderation gehandelt haben soll, festgenommen. Sie zogen ihm etwas über den Kopf und zwängten ihn in ein gepanzertes Fahrzeug. Seitdem fehlt von ihm jede Spur. Nur einen Monat vor seiner Festnahme hatte Artur Achmatchanow geheiratet.

Zum Zeitpunkt seines "Verschwindens" hatte sich der Student bei der "russisch-tschetschenischen Freundschaftsgesellschaft", einer Menschenrechtsorganisation, engagiert.

In einem Brief an die örtlichen tschetschenischen Behörden vom März 2004 wies ein Militärkommandeur jede Beteiligung der russischen Armee am "Verschwinden" von Artur Achmatchanow zurück. Die am 4. April 2003 eingeleitete offizielle Untersuchung seines "Verschwindens" wurde später wieder ausgesetzt.

Die russische Menschenrechtsorganisation "Memorial" schätzt, dass seit 1999 in Tschetschenien zwischen 3.000 und 5.000 Männer, Frauen und Kinder dem "Verschwindenlassen" zum Opfer gefallen oder entführt worden sind.

Die Mutter Bilat Achmatchanow sucht bei Öffnungen von Massengräbern, in Gefängnissen und an anderen Orten immer noch nach ihrem Sohn. Sie hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass er noch lebt.

Im Brief an den Staatspräsidenten wird dieser aufgefordert, das "Verschwinden" von Artur Achmatchanow zu untersuchen, die offizielle Liste aller in Tschetschenien vermissten Personen zu veröffentlichen, eine gründliche und unparteiische Untersuchung der Massengräber sicherzustellen und Angehörige sowie Zeugen vor Einschüchterungen zu schützen.

Hier ist das Anschreiben an die Vertretung des Landes

Botschaft der Russischen Föderation
S. E. Herrn Vladimir Kotenev
Unter den Linden 63-65
10117 Berlin

Exzellenz,

ich bin entsetzt darüber, wie hilflos in ihrem Land eine Mutter nach ihrem verschwundenen Sohn sucht. Aber Artur Achmatchanow ist nur einer der über 3000 seit 1999 in Tschetschenien verschwundenen Männer, Frauen und Kinder. Ich übergebe Ihnen einen Brief an Präsident Putin, in dem er aufgefordert wird, das Verschwinden von Artur Achmatchanow untersuchen zu lassen, die offizielle Liste aller in Tschetschenien vermissten Personen zu veröffentlichen und eine gründliche und unparteiische Untersuchung der Massengräber sicherzustellen. Außerdem müssen Angehörige und Zeugen vor Einschüchterungen geschützt werden.

Ich bitte auch Sie, sich dafür einzusetzen, damit den Menschenrechten wenigstens nachträglich noch Genüge getan wird.

Vielen Dank für Ihre Bemühungen.

Anlage

Hier ist der Brief an das betroffene Land

Vladimir Putin
President of the Russian Federation
103132 g. Moscow
4 Staraya Ploshchad
Russische Föderation

Dear President Putin,

I am dismayed at how desperately a mother has been looking for her abducted son since April 2003. The young man's name is Artur Achmatchanow. Before his abduction the student had supported an organization of Russian and Chechen human rights defenders.

On April 2nd, 2003, Artur Achmatchanow was seized in Grosny, blindfolded and dragged into an armoured car by men wearing masks, possibly members of the armed forces of the Russian Federation. The investigation into the case opened on April 4th, 2003, but strangely enough it was suspended shortly afterwards. Since then all trace of the young man has got lost. In March, 2004, a military commander responded to an inquiry letter to the authorities by stating that the Russian army had nothing whatsoever to do with the disappearance of Artur Achmatchanow.

"Disappearances" are a gross violation of human rights, frequently not only involving detention without charge or trial, but also torture, cruel, inhuman and degrading treatment or punishment and extrajudicial execution. It is said that since 1999 more than 3000 men, women and children have fallen victim to disappearances.

This is why I appeal to you not only to investigate the disappearance of Artur Achmatchanow, but also to publish the official list of all missing persons in Chechnya and to guarantee a thorough and impartial investigation into the dumping grounds and mass graves.

Moreover, relatives and witnesses have to be protected from intimidation.

Yours truthfully,

Copy to:
Botschaft der Russischen Föderation
S. E. Herrn Vladimir Kotenev
Unter den Linden 63-65
10117 Berlin