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Unser Monatsbrief für Dezember 2010

Fallbeschreibung

Zelimkhan Murdalov wurde seit dem 2. Januar 2001 nicht mehr gesehen. An diesem Tag nahmen Polizisten den damals 21-jährigen Studenten in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny fest und beschuldigten ihn des Drogenbesitzes. Die Familie wollte ihn auf der Polizeiwache besuchen, wurde aber nicht zu ihm gelassen. Die Polizei behauptete, sie habe ihn drei Tage später freigelassen. Im Oktober 2003 wurde der Polizist Sergej Lapin wegen Amtsmissbrauchs und schwerer Körperverletzung von Murdalov vor Gericht gestellt. In dem Prozess wurde bestätigt, dass der Student im Polizeigewahrsam gefoltert worden war. Berichten zufolge wurde er am nächsten Tag von Polizisten weggebracht. Im März 2005 verurteilte ein Gericht Sergej Lapin zu einer Haftstrafe von elf Jahren, die später im Berufungsverfahren um sechs Monate reduziert wurde. Im November 2005 wurden zwei weitere Personen identifiziert, die an der Folter und dem Verschwindenlassen von Zelimkhan Murdalov beteiligt waren: ein leitender Beamter und ein Polizist. Beide sind zur Fahndung ausgeschrieben, aber noch immer auf freiem Fuß.

Zelimkhan Murdalovs Eltern versuchen unermüdlich herauszufinden, was mit ihrem Sohn geschehen ist und sind deswegen schikaniert und eingeschüchtert worden. Vor allem wegen ihrer Bemühungen konnte Sergej Lapin 2003 vor Gericht gestellt werden. Daraufhin mussten die Mutter und seine Schwester zu ihrer eigenen Sicherheit das Land verlassen. Für das Verschwindenlassen von Zelimkhan Murdalov ist bis heute niemand zur Verantwortung gezogen worden. Die letzten Menschen, die ihn lebend gesehen haben, waren Polizisten.

Im Brief an den Staatspräsidenten der Russischen Förderation wird deshalb gefordert, das Ermittlungsverfahren bezüglich des Verschwindenlassens von Zelimkhan Murdalov wiederzueröffnen, sowie dafür zu sorgen, dass der leitende Beamte und der Polizist, die mit der Folter und dem Verschwindenlassen von Zelimkhan Murdalov in Verbindung stehen, festgenommen und in Übereinstimmung mit internationalen Standards für ein faires Verfahren vor Gericht gestellt werden.




Hier ist das Anschreiben an die Vertretung des Landes


Botschaft der Russischen Föderation
S.E. Herrn Vladimir Grinin
Unter den Linden 63-65,
10117 Berlin

Exzellenz!

Sie erhalten anbei eine Kopie meines Schreibens an den Staatspräsidenten Ihres Landes mit der Bitte, dass er das Ermittlungsverfahren bezüglich des Verschwindenlassens von Zelimkhan Murdalov in Tschetschenien wieder eröffnet, sowie dass er dafür sorgt, zwei Personen, die mit dem Fall in Verbindung stehen, festzunehmen und ein faires Verfahren vor Gericht zu garantieren.

Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie sich auch für diesen Fall, leider nur einen unter vielen, einsetzen würden.

Hochachtungsvoll,

Anlage




Hier ist der Brief an das betroffene Land


Staatspräsident der Russischen Föderation
Dmitry Anatolevich Medvedev
ul. Ilyinka, 23
103132 Moscow
Russische Föderation


Dear President Medvedev,

It is well-known that during the Chechen conflict many people disappeared and their fate is still, to a great extent, unknown. I should like to present you with just one of these cases, that of Zelimkhan Murdalov. At the time of his disappearance in Grosny in January 2001 he was a 21 year old student accused of being in possession of drugs. His family were not allowed access to him at the police station. Three days later, the police claimed to have released him. As a result of his family’s tireless investigations, a policeman, Sergej Lapin, was accused of misconduct and of torturing the student. In March 2005 Lapin was sentenced to 11 years imprisonment, which was later, after appeal, reduced to 6 months! Some time later, two other people were identified as having also assisted in the torturing and disappearance of Zelimkhan Murdalov, a leading official and a policeman. Both these people are still at large. His family have been exposed to threats and harassment, his mother and sister have had to leave the country. The student is still missing and no-one has been brought to account. The last people to see him alive were members of the police.

I would ask you to re-open the investigations into the disappearance of Zelimkhan Murdalov and to make sure that the leading official and the policeman who are also associated with his torture and disappearance are arrested and, in accordance with internationally recognised procedure, that they stand trial.

Season’s Greetings,



Copy to:
Botschaft der Russischen Föderation
S.E. Herrn Vladimir Grinin
Unter den Linden 63-65,
10117 Berlin